Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)
Maren Seliger: KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989. Rahmenbedingungen und einige Aspekte der Außenhandelspraxis
Maren Seliger Blechlieferungen der VÖEST nach Polen, Bulgarien und die Ostzone über die Firmen „Wagner & Co.“ und „Hör & Co.“ gehen.59 Sogar der Staat bediene sich der KP-Firmen, so das Bundesheer beim Ankauf von Maschinengewehren aus dem Osten. Die Große Koalition aus SPÖ und ÖVP fördere diese Zustände. Maßgebliche Exponenten der Verstaatlichen Industrie wie der bürgerlichen Wirtschaft klagt Gredler an, das Gleiche zu tun und nicht selten daran mitzuverdienen. Im Handel mit der DDR dominiere immer noch Wagner & Co., obwohl „in den letzten Jahren kleinere Vertretungen im Handel mit der Ostzone auch an energische und fleißige nichtkommunistische Stellen abgegeben wurden.“60 Die Warnung vor KP-Monopolen setzte offenbar zu einer Zeit ein, als eine Ausweitung des Handels in Richtung Osten mehr und mehr erwünscht war und andere als KPÖ-Firmen zum Teil mit gewissen Behinderungen konfrontiert waren: So seien zum Beispiel Einreisevisa durch die Sowjetbehörden verweigert und versucht worden, den gesamten Import von Rohöl- und Mineralölprodukten aus der Sowjetunion zugunsten einer Firma zu monopolisieren, „die für ihre ausgezeichneten Beziehungen zu kommunistischen Kreisen in Österreich bekannt ist.“61 Wachsende Konkurrenz im Osthandel - für dessen Ausbau sich die KPÖ immer ausgesprochen hatte - stellte grundsätzlich eine Positionsverschlechterung für die KP-Firmen dar.62 Für das Jahre 1986 wird die Zahl von ca. 2 000 österreichischen Firmen angegeben, die sich um den Handel mit den kommunistischen Ländern bemühten.63 Ein Rückgang der Gewinne der Parteifirmen wird ab Ende der 70er Jahre vermutet, als sich nämlich zunehmend Osthandelsländer an KP-Firmen beteiligten, um an deren Gewinnen zu partizipieren.64 Eine Praxis, die zwar den Gewinn minderte, aber zugleich auch eine Art Bestandsgarantie für Parteifirmen war. Dieser Information steht allerdings die im gleichen Zeitraum stattgefundene außerordentliche Steigerung der Einnahmen aus dem DDR-Handel entgegen (siehe weiter oben), so dass sich auf dieser Basis der punktuell zusammengetragenen Daten kein wirklich eindeutiges Bild einstellen will. Zusammenfassend kann zumindest festgehalten werden, dass sich die Firmen der KPÖ trotz zunehmender Konkurrenz insgesamt behauptet zu haben scheinen, wobei dies von Fall zu Fall 59 Gredler: Rede 6.12.1961, S. 3 683. Die Rede Gredlers blieb, das sei angemerkt, ohne Erwiderung. 60 Ebenda, S. 3 680. 61 Sager: Getarnte Finnen, S. 9. Sager zitiert aus einer Rede von Joseph Heinrich, Direktor der Abteilung für Handelspolitik und Außenhandel in der Bundeswirtschaftskammer, vor dem Donaueuropüischen Institut im Januar 1961. 62 So argumentiert M e i s e I : Die Mauer im Kopf, S. 146. 63 Hoorn, Erich: Wien ist für Deutschland ein Tor zum Osten, in: Die Presse, 5.2.1986. 64 Muzik-Schano: Das Wirtschaftsimperium der KPÖ, S. 78. 122