Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Stefan Zeilinger: Eisenbahn und Geschwindigkeit
EISENBAHN UND GESCHWINDIGKEIT Stefan Zeilinger Einführung Eisenbahn und Geschwindigkeit - die Verbindung dieser beiden Begriffe waren für einen Zeitgenossen im 19. Jahrhundert eine logische Verknüpfung; heute bringen wir Geschwindigkeit hingegen eher mit anderen Verkehrsmitteln in Verbindung, dem Auto und dem Flugzeug. Erst die Entwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen in den letzten drei Jahrzehnten hat auch die Eisenbahn in diesem Sinne wieder in das Blickfeld gebracht. Geschwindigkeit - die zurückgelegte Länge einer Wegstrecke in einer bestimmten Zeit - ist aber weitaus mehr als eine physikalische Größe. Ihr liegt eine Sinneswahrnehmung zu Grunde, das Vorbeirauschen einer Landschaft, gesehen aus einem Verkehrsmittel, oder andersherum, das Vorbeifahren eines Fahrzeugs, von einem Punkt in der Landschaft gesehen. Die primäre sinnliche Wahrnehmung ist die der Beschleunigung, die physikalisch als Kraft messbar ist und körperlich spürbar wird. Die Perzeption von Geschwindigkeit ist hingegen nicht in körperlich, sondern optisch, beim Betrachtung einer „vorbeifliegenden Landschaft“ etwa. Doch ist dieser menschliche Sinn nicht sehrausgeprägt: Der Unterschied des „Vorbeieilens“ bei 150 km/h im Schnellzug verglichen mit 300 km/h im Hochgeschwindigkeitszug ist bei weitem nicht so stark wahrnehmbar wie die Geschwindigkeitsverdoppelung erwarten ließe. Nicht ohne Grund haben Hochgeschwindigkeitszüge wie der ICE eine Geschwindigkeitsanzeige für die Fahrgäste in jedem Wagon. Geschwindigkeit drückt sich daher Für die Verkehrsteilnehmer in erster Linie in der Reisezeit aus. Die Kategorie der Schnelligkeit einer Verkehrsleistung ist auch eine der sieben Ebenen der Verkehrswertigkeit, die der Verkehrswissenschaftler Fritz Voigt in seinem Kompendium „Verkehr“ definiert hat.1 Die weiteren Ebenen neben der Schnelligkeit Voigt, Fritz: Verkehr. Berlin 1973. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs/Sonderband 7 321