Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Rainer Leitner: Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert

Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert [...] dass eine entsprechend geschmackvolle Durchbildung der verschiedenen Details der Leitungen nicht nur eine Verunzierung der Straßen verhindert, sondern sogar auf die Physiognomie derselben verschönernd und belebend einwirkt.'4 Und tatsächlich wurde die Gmundner Bahn trotz ihrer komplizierten Steigungsver­hältnisse und den Schneestürmen, die in dieser Region nicht selten sind, zur gelunge­nen Studie dafür, wie weit man mit der Anlage von elektrischen Bahnen gehen kann [...] [und] dass das e- lektrische Bahnwesen aus dem Stadium des Experimentierens auf den Standpunkt des wich­tigsten Verkehrsmittels für den städtischen Verkehrs gelangt sei.14 15 Die Unternehmung Stern & Hafferl entwickelte sich in weiterer Folge im Raum Oberösterreich sowohl zur führenden Errichterin und Betreiberin elektrischer Lokal­bahnen als auch der Versorgung des Landes mit elektrischer Energie. Die älteste noch existierende elektrische Bahn Österreichs, die Gmundner Straßenbahn, ist nicht nur noch in Betrieb, sie ist neben ihrer alltäglichen Funktion zur unentbehrlichen touristi­schen Attraktion geworden. 4.6. Die Zeit bis zur Jahrhundertwende: weit reichender Ausbau des Nahverkehrs Das Jahrzehnt vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war von vielen Nahver­kehrsprojekten sowie der Realisierung etlicher dieser gekennzeichnet. In diesem Zu­sammenhang stellte es sich heraus, dass kleinere, wirtschaftlich aufstrebende Städte früher einen Straßenbahnbetrieb aufnahmen als größere. Dies war letztlich durch das kleinere Streckennetz, zu dessen Errichtung geringere finanzielle Mittel benötigt wur­den, begründet. Bielitz in Österreichisch-Schlesien etwa besaß knapp 15 000 Einwoh­ner, neben Brünn und Reichenberg stellte es das wichtigste textile Produktionszentrum dar. Schon 1895 eröffnete man hier eine elektrische Bahn, die vom Bahnhof Bielitz der Kaiser Ferdinands-Nordbahn zur Stadt und durch diese zum Zigeunerwald, einem be­liebten Ausflugsziel, führte.’6 In Hinblick auf die engen Straßen und die geringeren Anlagekosten wurde diese Bahn - wie viele andere auch - nicht in Normal-, sondern in Schmalspurweite von einem Meter gebaut. Diese Spurweite war auch das Maß für die Aussiger elektrische Kleinbahn, die Czemowitzer, Gablonzer und Reichenberger Stra­14 Ebenda, S. 683. 15 Ebenda. M' Drescher, Josef: Elektrische Bahn Bielitz-Zigeunerwald. Zeitschrift für Elektrotechnik (1896), S. 115-129. 299

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