Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Rainer Leitner: Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert

EISENBAHN-MASCHINENFABRIKEN: ORTE DES TECHNOLOGIETRANSFERS IM 19. JAHRHUNDERT Rainer Leitner 1. Einleitung Ein in der Literatur immer wieder bedientes - und daher auch besonders weit ver­breitetes und langlebiges - Klischeebild zeichnet die österreichisch-ungarischen Mo­narchie als ein wirtschaftlich und auch technisch rückständiges Staatsgebilde.1 For­schungsergebnisse der letzten Jahrzehnte konnten derlei Flypothesen (beispielsweise von Jaques Le Rider in „Das Ende der Illusion“1 2 3 allerdings eindeutig widerlegen. Der „Glaube“ an die wirtschaftliche Rückständigkeit Österreich-Ungarns beruht zu einem nicht geringen Teil auf der Gleichsetzung der wirtschaftlichen Situation mit der herrschenden politischen Instabilität, welche die Folge der vielen Nationalitätenkon­flikte und Regierungskrisen war.' Übersehen wird bei einer solchen Charakterisierung der Umstand, dass die Donaumonarchie zwar regional unterschiedlich ausgeprägte Entwicklungsgrade der Industrialisierung in sich vereinigte, insgesamt aber doch als ein funktionierender Wirtschaftsraum angesehen werden kann.4 1 Abschätzige Schlagworte wie „China Europas“ oder „kranker Mann an der Donau“ lassen sich auf dieses Stereotyp zurückführen. Vgl. Schiffer, Josef: Konkrete Aspekte der ökonomischen Moderni­sierung in Zentraleuropa um 1900. In: newsletter MODERNE. Zeitschrift des Spezialforschungsbe­reichs Moderne - Wien und Zentraleuropa um 1900, Sonderheft 1: Moderne - Modernisierung - Glo­balisierung (März 2001), S. 22-27. 2 Le Rider, Jacques: Das Ende der Illusion. Die Wiener Moderne und die Krisen der Identität. Wien 1990, S.21-26. 3 Solche Konflikte hatten ihre Ursache darin, dass jene Ostgebiete der Monarchie, die in wirtschaftlicher Hinsicht „nachhinkten“, sich in sozialen und ökonomischen Belangen diskriminiert fühlten, während beispielsweise die böhmisch-mährischen Industriegebiete das Gefühl hatten, politisch übergangen zu werden. 4 So spricht etwa bereits 1947 der Soziologe und Wirtschaftshistoriker Friedrich Hertz in „The Econo­mic Problem of the Danubian States“ von der „großen wirtschaftlichen Leistung“ Österreich-Ungarns, „die niemals entsprechende Anerkennung gefunden hat“; Hertz spricht mit Bedauern über den Verlust Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs/Sonderband 7 283

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