Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Milan Hlavacka: Frühes Eisenbahnwesen und Technologietransfer in den böhmischen Ländern und in der Habsburgermonarchie 1837-1842
Milan Hlavacka Ähnlich unerwartet verteuerte sich die Beschaffung von Eisenbahnmaterial in ausreichend guter Qualität. So wurden insbesondere die Lokomotiven, Wagons und Schienen anfangs ausschließlich im Ausland angekauft, vor allem in Großbritannien, in den USA, in Belgien und in deutschen Staaten. Der Preis dieser exklusiven Waren wurde durch die enormen österreichischen Einfuhrzölle erhöht. Die Direktion der Nordbahn hatte freilich Interesse an einheimischen billigeren Erzeugnissen gezeigt. In drei Januamummem der Allgemeinen Augsburger Zeitung ließ sie 1838 ein Inserat veröffentlichen, das die genaue Konstruktionsbedingungen für die Lieferung von zwei Lokomotiven beinhaltete. Zuerst kamen nur zwei einheimische Angebote - eines vom Mechaniker und technischen Direktor Friedrich Marquardt aus der Maschinenbauwerkstatt in Noitzmühle bei Wels und ein zweites von Edward Thomas, Inhaber der Maschinenbauwerkstatt in Lieben bei Prag. Beide wurden aber nicht akzeptiert - vielleicht weil gegenüber diesen inländischen Herstellern Misstrauen über die Qualität der Erzeugnisse herrschte. Erst das spätere, dritte Angebot, vom englischen Leiter des KNFB-Werkstattdienstes John Baillie, der zusammen mit den ersten 266 Abbildung 1: Ankunft des ersten Zuges in Lundenburg am 6. Juni 1839; aus: Oesterr. Eisenbahnbeamten-Verein (Hg.): Geschichte der Eisenbahnen der OesterreichischUngarischen Monarchie; Wien Teschen Leipzig 1898, S. 153.