Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die Heimkehr

Die Heimkehr Die vier Gefallenen des ersten Detachements von S.M.S. „Zenta“, die Matrosen Dettan, Badurina-Peric und Tavagna und FK Thomann Edler von Montalmar, waren während der Kampfhandlungen im Garten der französischen Gesandtschaft provisorisch bestattet worden.2609 FK Thomann, der am Vormittag des 8. Juli gefallen war, wurde am Nachmittag dieses Tages zu Grabe getragen. Die Beisetzung fand unter großer Anteilnahme statt, die Einsegnung nahm Père d’Addosio vor. LSL Winterhaider beschreibt die Trauer, die der Tod des Kommandanten ausgelöst hatte, in bewegenden Worten: [...] Von dem frischen Grabe weg wanderten unsere Gedanken zu den Lieben des Gefallenen in die Heimat mit dem Wunsche, dass es doch vielleicht einem von uns beschieden sein möge, ihnen berichten zu können, wie viele aufrichtige Theilnahme ihr und unser Verlust erweckt hatte, wie manche Thräne da zerdrückt wurde von in Kampf und Noth hart gewordenen Männern - wohl die sprechendste, höchste Ehrung für den tapferen Führer und den edlen Menschen. Der Schlachtentod hatte den Besten aus unserer Mitte geholt und damit schien seine Gier nach uns gesättigt; von den in Peking eingeschlossenen Angehörigen der „Zenta“ fiel keiner mehr durch Feindeshand.2610 In einem Brief an die Witwe Thomann’s geht LSL Winterhaider noch weiter: [...] Die Beerdigung fand um 2 Uhr Nachmittags mitten unter dem feindlichen Feuer statt. Das im Garten der französischen Legation gelegene Grab umstanden fast alle Gesandten. Der deutsche Geschäftsträger Herr v. Below hatte noch aus seinem Garten Blumen mittgebracht. Der greise Pater d’Addosio, der dem Todten eine ganz besondere Sympathie bewiesen hatte, ist seither auch unter tragischen Umständen aus dem Leben geschieden. Die Grabstätte ist bezeichnet, an eine Übertragung der Überreste nicht mehr zu denken, da die Bestattung ohne Sarg geschehen mußte. Es ist jedoch schon eine beschlossene Sache, das [sic!] dort ein würdiges Denkmal für alle bei der Vertheidigung der französischen Gesandtschaft gefallenen errichtet werden wird. Ich kann wahrheitsgetreu nur das Eine sagen, daß ganz Peking mit ihnen, mit uns um den Dahingeschiedenen trauert. Besonders die Franzosen und Deutschen haben Beweise der aufrichtigsten Sympathie und Verehrung gegeben. [...] Mein Schmerz um den verlorenen älteren, stets so gütigen Freund kann dem Ihrigen verglichen werden, aber troztdem möchte ich Sie bitten, gleich mir den besten Trost darin zu suchen, daß Ihr Gatte den schönsten Abgang aus dem Leben gefunden hat und sein Andenken stets mit aufrichtiger Dankbarkeit für alle seine Fürsorge von Jenen, die unter ihm gefochten, und von Allen mit Bewunderung für seine Eigenschaften als Soldat und Mann hochgehalten wird. Ehre seinem Andenken, und Ihnen, hochgeehrte gnädige Frau, unsere allerinnigste Theilnahme mit dem Wunsche, daß Sie Kraft gewinnen, in dem Geschehenen nicht mehr Schreckliches, sondern Verklärendes zu erblicken.2611 Da - zumindest vorläufig - nicht an eine Verlegung der Gräber zu denken war, wurden die Gräber vom k. u. k. Landungs-Detachement „einzeln mit niedrigen Gefallenen verstreuten und in den Peiho warfen.“ [KA, MS/PK 1901 -XII-14, No. 958, fol. 6V, EciO an RKM/MS, No. 8 927m ex 1901, Shanghai, 3.3.1901], 2609 yhojjjann un(j Matrose Tavagna wurde in jeweils eigenen Gräbern bestattet, die Matrosen Dettan und Badurina-Peric wurden jeweils zusammen mit gefallenen französischen Marineangehörigen beerdigt: Matrose Dettan am 25. Juni mit dem Matrosen Corselin von „d’Entrecasteaux“ (Winterhaider (1902), S. 248); Matrose Badurma-Peric am 26. Juni mit dem Unteroffizier Le Gloanéc. 2610 Winterhaider (1902), S. 286. 2611 LSL Winterhalder an M. Thomann v. Montalmar (Taku-Rhede, 30.9.1900). Abgedruckt in: Triester Tagblatt Nr. 6350 vom 5.12.1900, S. 1. 653

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