Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die Heimkehr
Georg Lehner - Monika Lehner Haus wollte, gemäß den bisherigen Gepflogenheiten, seinen jeweiligen Aufenthalt im Wege des Detachementkommandos in Beijing der Gesandtschaft bekannt geben. Die Heimreise Die Heimreise der Schiffe fiel in einen vom Wetter wenig begünstigten Zeitraum - im August erreicht der Sommer-Monsun seinen Höhepunkt und im Huanghai [Gelbes Meer] und im Donghai [Ostchinesischen Meer] wüten häufig Taifune. Das Wettertelegramm aus „Zikkawei“ [Xujiahuii2459] meldete zwar für den nördlichen Teil des Donghai [Ostchinesisches Meer] normalen Monsun, riet jedoch für die Zone unter 20° nördlicher Breite2460 zur Vorsicht. Die Schiffe erhöhten daraufhin die Geschwindigkeit und passierten Fuzhou ohne besondere Vorkommnisse,2461 und KA Montecuccoli notierte in seinem Tagebuch: Wir passiren am 10t[en] 10° u[nd] sind aus der gefährlichen Zone. Des Kaisers Wunsch stand schützend über uns. - Tayfuns [sic!] werden uns nicht mehr gefährlich werden.2462 Auf der Fahrt begegneten die Schiffe immer wieder Schiffen anderer Nationen, so am 30. Juli dem französischen Kreuzer „Chamer“, am 1. August dem englischen Kreuzer „Eclipse“ und wenig Später dem Kreuzer „Glory“, der die Flagge von VA Sir Cyprian Bridge führte, welchem ein Abschiedssalut geleistet wurde, sowie den englischen Kanonenbooten „Daphne“ und „Pigmy“. Am 2. August 1901 erreichten die Schiffe die östliche Einfahrt und steuerten durch den „Leyemoon Pass“2463 in den Hafen von Hongkong [Xianggang], wo sie 2459 Xujiahui - der „Marktflecken der Familie Xu“ war die Heimat von Xu Guangqi (1562-1633), der eine der „drei Säulen der Bekehrung zum Christentum“ war. Siehe Jacques Gernet, Die chinesische Welt, Frankfurt am Main 1988, S. 385f. ln diesem Vorort von Shanghai war um 1630 eine Kirche gebaut worden - der Ort entwickelte sich zu einem Stützpunkt der Mission und war Standort eines kleinen Observatoriums. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war dort eine für die Schifffahrt sehr bedeutende Wetterstation. 2460 Das entspricht ungefähr der Lage von Hongkong [etwa 22° nördlicher Breite]. 2461 Die Warnungen der Wetterstation waren nicht umsonst, denn 24 Stunden später zog ein Taifun von der Nordspitze Taiwans gegen Fuzhou. „Der österreichische Lloyddampfer ‘Melpomene’, welcher scheinbar durch nicht entsprechendes Manöver in denselben gerieth, verlor hiebei die Vormarsstange, ein Boot, die Ankerwinde, 2 Buganker und wurde auch sonst arg mitgenommen.“ Doch den Lloyddampfer hatte es noch schwerer erwischt, wie KA Montecuccoli nach dessen Ankunft in Hong Kong [Xianggang] am 7. 8.1901 erfuhr: „Der Capitän des Dampfers machte seinen Besuch an Bord, schilderte die Begebenheiten während seiner Reise von Shanghai nach Hongkong [Xianggang] und erzählte dass nebst der früher erwähnten Havarien auch die ganzen Cabineneinrichtungen zerschlagen wurden.“ (KA, MS/OK 1901-V-5/18, No. 2 291, fol. 139v und fol. 142; ECiO an RKM/MS, Res. No 838/M, Vorfallenheitsbericht vom 28.7. bis 16.8.1901 Singapore, 16.8.1901 ). 2462 KA, B/830, Tagebucheintrag 10./11. August., S. 250. 10° nördlicher Breite entsprechen etwa der Lage der Spratly-lnseln [Nansha Qundao], 2463 Hochchin.: Liyumen, Kanal zwischen der Halbinsel Jiulong [Kowloon] und Xianggang [Hongkong Island], Cf. Xianggang jiedao difang zhinan [Hong Kong Guidebook], ed. Universal Publications, Hong Kong 1992, S. 3 und S. 111 [Auf diesen Karten wird der Name als „Lei yue mun“ transkribiert]. 630