Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die Tätigkeit der K. U. K. Escadre für Ost Asien 1901

Georg Lehner - Monika Lehner da die Lage der Legation fur die Abstattung der beabsichtigten Besuche und deren Erwiderung, eine günstigere ist und ich hier sowohl mit dem k. u. k. Gesandten, als auch mit den anderen Diplomaten in nähere Berührung kommen konnte, was mir zur Orientierung über die gegenwärtige politische Lage, wünschenswert erschien.2232 Am 3. April inspizierte KA Montecuccoli die militärischen Unterkünfte des k. u. k. Detachements im „Fu“ [gemeint ist wohl der Chongzhai]: Es ist mit den verhältnismässig geringen Mitteln, welche dem k. u. k. Detachement im Gegensatz zu jenen der Truppen-Contingente anderer Nationen zur Verfügung standen, sehr viel geschehen. Nebst einer vollkommen zweckmässigen Kasernierung hat das Detachements-Commando für die Einrichtung des Spitales, einer Mannschaftsküche, einer Waschküche, eines Mannschaftsbades vorgesorgt. Pferde und Tragthiere, sowie das Trainmaterial sind gleichfalls vollkommen entsprechend untergebracht. Alle Ubicationen sind rein und nett gehalten und machen einen günstigen Eindruck.2233 Am nächsten Tag folgte der militärische Teil der Inspizierung in Form einer allgemeinen Alarmierung zu einer zehntägigen Expedition. Auch die militärische Inspicierung verlief zur vollen Zufriedenheit: Die Alarmierung des gesammten Detachements inclusive des Trains und der Ambulanz, mit Ausnahme des Geschützzuges, dessen Mannschaft sich im Dienste befand,2234 geschah in 23 m[inuten], nach welcher Zeit das Detachement zu einer 1 Otägigen Expedition marschbereit war.2235 Auch die administrative Inspizierung des Detachments, die am 8. April durch KK Friedrich Schwickert und den Schiffsrechnungsführer des Flaggenschiffes vorgenommen wurde, ergab keine Beanstandungen.2236 Auf persönliche Einladung Waldersees2237 wohnte KA Montecuccoli am 6. April einer Sitzung der Kommandanten der Truppenkontingente bei, bei der LSK Bless von Sambuchi Österreich-Ungarn vertrat. Bei dieser Sitzung beriet die Militär- Kommission Vorschläge zu den Durchführungsbestimmungen zu den Artikeln VIII und IX2238 der Kollektivnote, die die Diplomaten erbeten hatten. Nach längeren Diskussionen einigten sich die Kommandanten auf folgende Maßnahmen: Schleifung der Lager bei Yangcun, des Arsenals von Xigu, des Gelben Forts und des Schwarzen Forts (Zitadelle) in Tianjin, der beiden Lager bei Junliangcheng,2239 2232 Ebenda, fol. 84v, ECiO an RKM/MS, Res. No. 380/M, Taku-Rhede, 16.4.1901. 2233 Ebenda, fol. 84v-85r, ECiO an RKM/MS, Res. No. 380/M, Taku-Rhede, 16.4.1901. S.g. 2234 Den ausgerückten Geschützzug, der zum Bespannen mit Maultieren eingerichtet worden war, besichtigte KA Montecuccoli am 8. April (Ebenda, fol. 86r, ECiO an RKM/MS, Res. No. 380/M, Taku-Rhede, 16.4.1901.) 2235 Ebenda, fol. 85', ECiO an RKM/MS, Res. No. 380/M, Taku-Rhede, 16.4.1901. 2236 KA, MS/OK 1901 -V-5/11, No. 1 197, fol. 86r, ECiO an RKM/MS, Res. No. 380/M, Taku-Rhede, 16.4.1901. 22,7 KA Montecuccoli entsprach damit auch einer Bitte des k. u. k. Gesandten, siehe dazu: HHStA, P.A. XXIX/15, fol. 296, Czikann an Gotuchowski, No. 17, Peking, 9.4. 1901. Schleifung der Befestigungen bzw. Stationierung von Truppenkontingenten an strategisch wichtigen Punkten zwischen Beijing und dem Meer. 2239 In der französischen Fassung des Schreibens steht „Kunliangshou“. 568

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