Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner zwischen China und den Mächten normale Beziehungen wieder hergestellt sind, ein Schlussstrich gezogen würde: Nous nous félicitons nous-mêmes d’avoir contribué à cet heureux résultat, et j’ai l’honneur d’adresser à Votre Altesse et à Votre Excellence les vœux les plus sincères que Nous formons pour la paix et le bonheur de l’Empire.2“4 Yikuang Prinz Qing dankte fur die wohlwollenden Worte, und bekräftigte die Bedeutung des eben Unterzeichneten Dokuments als Schlussstrich unter die Ereignisse des Jahres 1900, die sich nie wiederholen sollten: Nous Vous donnons l’assurance formelle que ces évènements ne se reproduiront ja­mais. Nous tenons à remercier les Représentants des Puissances de la bonne volonté qu’ils ont montrée et des concessions qui’ils nous ont faites au cours de ces longues né­gociations.2005 In 30 Minuten war die Zeremonie, welche die Verhandlungen mit China formell zum Abschluss brachte, beendet;2006 und kurz danach meldete der k. u. k. Gesandte die Unterzeichnung telegraphisch nach Wien.2“7 Das Schlussprotokoll (Protocole Final; chinesisch Xinchou tiaoyue2008) wurde in zwölf identischen Exemplaren ausgefertigt. Jeder der Bevollmächtigten der Mächte und die Bevollmächtigten Chinas erhielt jeweils ein Exemplar.2009 Dieses Protocole final besiegelte die Erfüllung der von den Mächten aufgestellten Forderungen nach Sühne und Entschädigung, es verstärkte jedoch zweifellos durch die damit eingegangen exorbitanten Zahlungsverpflichtungen die Krise des Qing-Reiches. China hatte in einem kaiserlichen Edikt vom 29. Mai 1901 (GX 27/4/12) die Gesamtsumme der Entschädigungen, die die Mächte mit 450 Millionen haiguan yin angegeben hatten, akzeptiert. Diese Summe war in Gold zu bezahlen - auf den Widerspruch, dass eine Goldschuld in einer Silberwährung angegeben wurde, war schon während der Verhandlungen hingewiesen worden.2010 2004 2005 HHStA, AUR 1901 IX 7, fol. 17'. Ebenda. 2007 Das Telegramm wurde um 13.50 (Ortszeit/Beijing) aufgegeben und war um 17.15 (Ortszeit/Wien) in Wien, cf. HHStA, P.A. XXIX/16, fol. 211', Czikann an MdÄ, Telegramm No. 64 (8 859, Chiffre). 2ut“ Das Jahr 1901/02 wird im chinesischen Kalender mit zyklischen Zeichen als xinchou-}ahr bezeichnet. 2009 Der k. u. k. Gesandte unterbreitete „sein“ Exemplar am 26. September 1901, da erst zu diesem Zeitpunkt alle Annexe fertiggestellt und paraphiert waren. HHStA, P.A. XXIX/16, fol. 238', Czikann an Goluchowski, Bericht No. 40 (vertraulich), Peking, 26.9.1901. Dieses Exemplar erliegt in; HHStA, AUR 1901 IX 7. Die einzelnen Exemplare wurden vermutlich unter großem Zeitdruck angefertigt, worauf die im chinesischen Text des Exemplars enthaltenen drei Abschreibfehler schließen lassen, auf die auf einem eigenen, in das Exemplar mit eingebundenen Blatt [fol. 28v] hingewiesen wurde. Außerdem fehlt im chinesischen Text die Datumsangabe nach dem chinesischen Kalender [fol. 12']. 2010 Cf. HHStA XXIX/23, fol. 420'-429', Denkschrift über die Frage, in welcher Weise China die Entschädigungen der Mächte befriedigen kann. Beilage (vertraulich) ad Szôgyény an Goluchowski, Bericht No. 8 B (vertraulich), Berlin, 23.2.1901. 514

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