Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... wieder der Kontrolle der chinesischen Zentralverwaltung unterstellt werden sollte.1997 Der Abschluss eines entsprechenden Abkommens schien im Oktober 1901 unmittelbar bevorzustehen, doch die Verhandlungen zogen sich in die Länge und kamen nach dem Tod Li Hongzhang’s am 7. November 1901 zum Stillstand.1998 Die Unterzeichnung des „Protocole final“ [Xinchou tiaoyue] am 7. September 1901 Der genaue Verlauf der einzelnen Verhandlungsrunden ist im Rahmen dieser Untersuchung vemachlässigbar, da Österreich-Ungarn, beziehungsweise der k. u. k. Gesandte in Beijing, Moriz Freiherr von Czikann, keine den Gang der Ereignisse stark beeinflussende Rolle spielte. Czikann war jedoch, wie gezeigt, Mitglied verschiedener Kommissionen und hatte immer wieder Gelegenheit, seine umfassende Erfahrung und seine Sprachkenntnisse bei der Beseitigung von Unstimmigkeiten einzubringen. Bemerkenswert ist hiebei, dass sich Czikann gerade in der Frage der Bestrafung der Hauptschuldigen1999 für eine exemplarische Bestrafung aussprach.2000 Am 7. September 1901 trafen die diplomatischen Vertreter der Mächte und die Bevollmächtigten Chinas um 11.00 Uhr in der spanischen Gesandtschaft zusammen, um das Schlussprotokoll der Verhandlungen zu unterzeichnen.2001 Die Gesandten wurden von den jeweiligen Gesandtschaftsdolmetschem begleitet, dazu kamen die Sekretäre der Konferenz: d’Anthouard, Kroupensky2002, Tower und von Bohlen und Haibach. Die chinesischen Bevollmächtigten Yikuang Prinz Qing und Li Hongzhang erschienen mit Lianfang und Zeng, die als Dolmetscher fungierten. Zunächst Unterzeichneten und siegelten Yikuang Prinz Qing und Li Hongzhang die 12 Exemplare, dann die Vertreter der Mächte: Mumm, Czikann, Joostens, Cölogan, Rockhill, Beau, Satow, Salvago Raggi, Komura, Knobel und Giers.2003 Danach richtete der Doyen des diplomatischen Corps eine kurze Ansprache an die Bevollmächtigten Chinas, in der er die Hoffnung aussprach, dass nunmehr, da 1997 Nach dem Sieg Japans im Chinesisch-japanischen Krieg (1894/95), der den Aufstieg Japans zur Großmacht eingeleitet hatte, war Korea formal unabhängig geworden, doch war der massive Einfluß Japans offensichtlich. 1998 HHStA, P.A. X/116, fol. 427'-436v, Kinskÿ an Gotuchowski, Bericht No. 62 B Vertraulich, St. Petersburg, 2.12724.11.1901. 1999 Vgl. dazu den Abschnitt zum Artikel 2 der „Zwölf Forderungen“. 2000 p-r detaillierte Informationen zum Verlauf der einzelnen Verhandlungsrunden bis zum September 1901, siehe dazu: Affaires de Chine, Négociations de Pékin, 1 900-1 902, (o.O., o.J) passim. 2001 HHStA, AUR 1901 IX 7, fol. 17', Protocole No. 3 (=Protocole de la 3° Conférence avec les Plénipotentiaires Chinois en date du 7 Septembre 1901). 2002 Die exakte Schreibung des Namens war nicht zu eruieren. 2001 Die Reihenfolge folgt der der Staaten nach dem französischen Alphabet. 513

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