Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen
Georg Lehner - Monika Lehner Über eine dieser „Quellen“ erhielt er eine Abschrift des „in jüngster Zeit abgeschlossenen Abkommens betreffend die mandschurische Provinz Scheng-king [Shengjing1990].“1991 Das Abkommen regelt unter anderem den Verbleib russischer Garnisonen entlang der Bahnstrecke, die „Zusammenarbeit“ zwischen den Lokalbehörden und den russischen Beamten, die Übergabe der in noch nicht von russischen Truppen genommenen Arsenalen verwahrten Kriegsmaterialien an russische Offiziere, die Schleifung der Forts und Pulvermagazine, die nicht von russischen Truppen besetzt waren, sowie die Aufstellung von Polizeitruppen.'992 Alle Bestimmungen sichern de facto das Weiterbestehen massiven russischen Einflusses in dem Gebiet, was von den Vertretern der anderen Mächte kritisch registriert wurde - so wie die Gebietsabtretungen (Settlements in Tianjin) und die Erteilung von Konzessionen an ausländische Gesellschaften. Dem Beispiel anderer Staaten folgend, gab Österreich-Ungarn eine Erklärung ab, in der China aufgefordert wurde, bis zur vollständigen Erfüllung der Forderungen der Mächte keinerlei Einzelverträge finanzieller oder territorialer Bedeutung abzuschließen.1993 Großbritannien begründete seine Erklärung ausdrücklich mit dem russischchinesischen Mandschureiabkommen, während Japan die Gefahr für die territoriale Integrität Chinas betonte.1994 Für Österreich-Ungarn gab über Auftrag des Gesandten Vizekonsul Hugo Silvestri diese Erklärung in mündlicher Form ab, wobei er betonte, dass sich diese „natürlich nicht auf Settlementsfragen in den chinesischen Vertragshäfen bezieht.“1995 1996 Die Bevollmächtigten Chinas, Yikuang Prinz Qing und Li Hongzhang, erklärten, dass [die] Erklärung [...] wohl nur gegen Russland gerichtet sei, in der Mandschurei wären sie jedoch den Russen gegenüber machtlos, wenn die fremden Regierungen nicht auch in Petersburg eine Pression ausüben.'996 Japan schien im Sommer 1901 bereit zu sein, die russische Herrschaft in der Mandschurei zu akzeptieren, wenn im Gegenzug Russland die Vormachtstellung Japans in Korea anzuerkennen bereit war. Gleichzeitig galt es, den Abzug des Großteils der dort stationierten russischen Truppen zu sichern - da das Gebiet 1990 Alter Name von Shenyang/Mukden, der Name der Stadt wird hier pars pro toto für die gesamte Provinz verwendet: gemeint ist das Gebiet der Provinz Liaoning. Siehe dazu: MZDC, S. 660 „Shengjingshi“. 1991 HHStA, P.A. XXIX/15, fol. 34", Czikann an Gotuchowski, Bericht No. 3 Vertraulich, Peking, 18.1.1901. Es kann hier nicht auf die genaueren Umstände der Verhandlungen eingegangen werden, die Czikann in seinem Bericht detailliert ausführt (Ebenda, 34v-36r). 1992 HHStA, P.A. XXIX/15, fol. 37', „Übersetzung: Russisch-chinesisches Abkommen betreffend die mandschurische Provinz Shênking“. Beilage ad: Czikann an Gotuchowski, Bericht No. 3 Vertraulich, Peking, 18.1.1901. 1993 Siehe dazu den Abschnitt über das österreichisch-ungarische Settlement in Tianjin. 1994 HHStA, P.A. XXIX/15, fol. 153', Czikann an MdÄ, Telegramm No. 26 (2 672, Chiffre), Peking, 22.2.1901. 1995 E b e n d a, fol. 160v-161', Czikann an MdÄ, Bericht No. 9, Peking, 23.2.1901. 1996 Ebenda, fol. 161', Czikann an MdÄ, Bericht No. 9, Peking, 23.2.1901. 512