Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner oder Beidaihe vor um die Verbindung mit der Außenwelt offen zu halten'893 - räumte allerdings ein, dass ihm dies als nicht ausreichend erscheine, um den freien Zugang zum Meer beziehungsweise nach Beijing, immerhin eine Strecke von mehr als 100 Kilometern, zu garantieren. Nach längerer Debatte ging man zum ursprünglichen Vorschlag Delcassé’s zurück, worin über die Besetzung von einigen von den Mächten festzulegenden Punkten zwischen Beijing und Tianjin gesprochen worden war. Mumm schlug vor, die Möglichkeit eines Rückzugs der Gesandtschaften nicht festzuschreiben und der Vertreter der Vereinigten Staaten wollte lediglich die Möglichkeit zur Besetzung einiger Punkte, nicht aber eine Verpflichtung dazu.1893 1894 Lord Salisbury hielte es für sicherer und zugleich wirksamer wenn jede einzelne Macht einen festen Punkt, - in seinem Telegramme an Sir Edmond Monson nennt er es „Fort“ - besetzen würde und zwar nach Thunlichkeit vom Meere aus erreichbar - |:if possible within reach of the sea:|.1895 Die Redaktionskommission schlug Mitte November vor: „Droit d’occuper militai­rement certains points à déterminer par un accord entre les Puissances libres entre la capitale et la mer.“ Das Diplomatische Corps einigte sich darauf einen entsprechen­den Einwurf von Baron Nishi hinzuzufugen, dass mit „entre la capitale et la mer“ vielmehr „entre la capitale et le point le plus rapproché de la coté où des navires pourront aborder soit en hiver soit en été“ gemeint sei.1896 Artikel 10 - Das Verbot ausländerfeindlicher Vereinigungen Um eine Wiederholung der Ereignisse des Sommers 1900 nach Möglichkeit zu verhindern, sollte die chinesische Regierung gezwungen werden, die Unterdrückung ausländerfeindlicher Vereinigungen zu garantieren. Als Ausgangspunkt für die Diskussionen zu dieser Forderung diente ein Vorschlag von Sir Claude Macdonald: Die chinesische Regierung garantiert zunächst die vollständige Unterdrückung der „Boxerbewegung“ und die Bestrafung ihrer Anführer. Weiters wird in allen Kreisen zwei Jahre lang ein kaiserliches Dekret ausgehängt, in dem (a) die Mitgliedschaft in einer „Boxer-Vereinigung“ bei Todesstrafe verboten wird, (b) die Strafen aufgelistet werden, die über die Verantwortlichen verhängt wurden - einschließlich der Aussetzung der Prüfungen in den betreffenden Städten und 1893 Satow hatte wörtlich gemeint: “[...] la nécessité de tenir un port libre de glace comme Shan-hai- Kouan [Shanhaiguan], Ching-wan-tao [Qinhuangdao] ou Peitaho [Beidaihe], se présentera si l’on veut maintenir la route ouverte entre Pékin et l’extérieur.“ [ACNP, 3e séance, 31.10.1900] Der Vorschlag erscheint wenig sinnvoll, da die Küstengebiete des sehr flachen Bohai während der Wintermonate zum größten Teil mit Eis bedeckt sind und die drei Häfen in unmittelbarer Nähe zueinander zwischen Bohaiwan und Liaodongwan liegen. 1894 ACNP, 3e séance, 31.10.1900 [7], 1895 HHStA, P.A. XX1X/21, Mensdorff an Goluchowski, Bericht No. 74 C, London, 12.10.1900. 1896 ACNP, 8e séance, 13.11.1900 [23], 494

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