Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen
Czikann äußerte sich zu diesen Diskussionen durchaus ablehnend: „En ce qui concerne les nouvelles formules préséntées pour l’article II, il redoute qu’elles donnent naissance à des discussions interminables.“1762 * Czikann akzeptierte später die Änderungen des Artikels II, obwohl „on aboutira à’un [sic!] résultat opposé à ce que l’on espère.“1761 Zur Vorbereitung der Verhandlungen mit den Bevollmächtigten Chinas berieten die diplomatischen Vertreter der Verbündeten in Sitzungen am 22. und 31. Januar und am 5. Februar über die Liste der Hauptschuldigen und das jeweilige Strafmaß.1764 Für Dong Fuxiang wollten Czikann, Pichon, Joostens, Salvago-Raggi, Mumm, Sir Emest Satow und Knobel die Todesstrafe, während Conger, Giers und Komura diese zwar ebenfalls befürworteten, jedoch die Fähigkeit der chinesischen Behörden, diese durchzusetzen, bezweifelten. Für Li Bingheng und Xu Tong, die 1900 Selbstmord verübt hatten, sollte eine posthume Bestrafung verlangt werden. Der Sohn des Xu Tong, Xu Chengyu, sollte den chinesischen Behörden übergeben werden. Für Pujing Prinz Yi, Zailian1765 und Zaiying, gegen die vorerst nichts vorlag, sollten keine Strafen gefordert werden. Darüber hinaus sollte die Rehabilitierung von vier früheren Mitgliedern des zongli yamen - Xu Jingcheng1766, Yuan Chang1767, Xu Yongyi1768 und Lishan1769 - gefordert werden. Ursprünglich wollte Conger auch die Rehabilitierung von Zhang Yinhuan1770 fordern, fand dafür jedoch keine Mehrheit. Auf Vorschlag des österreichisch-ungarischen Gesandten einigte man sich auf die Rehabilitierung der Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1762 Ebenda, [32], Die Debatte ging auch am 19.12., also quasi im letzten Moment, noch weiter, siehe ACNP, 13e séance, 19.12.1900 [44-47], 1761 ACNP, lie séance, 4.12.1900 [32], 1764 ln der Sitzung vom 22.1.1901 hatten die Diplomaten einstimmig beschlossen, die Strafliste nicht als formelle Note an die Bevollmächtigten Chinas zu übergeben, sondern sie nur mündlich zu formulieren, um den Eindruck eines Ultimatums zu vermeiden. (ACNP,19e Séance, 22.1.1901). 1765 Zailian galt als Feind von Zaiyi Prinz Duan und wollte dem Hof nicht bei seiner Flucht folgen, weshalb er vermutlich in dem Dekret genannt wurde. (Ebenda). i7« (22.10.1845-28.7.1900); Chinese, fol. 190-96; Gesandter in Rußland; Vizeminister im Ministerium für Beamtenangelegenheiten und Mitglied des Zongli Yamen ; wegen reformerischer Ansätze Ende Juli 1900 in Beijing hingerichtet (ECCP, 312 f. (A), Hirth, S. 75). 1767 (7-1900); Minister im zongli yamen, am 28. 7.1900 als Befürworter einer konzilianten Politik gegenüber dem Ausland hingerichtet; Günstling des Li Hongzhang (Hirth, S. 70 und S. 75). 1768 Präsident des Kriegsministeriums; als Befürworter einer konzilianten Politik gegenüber dem Ausland am 1.8.1900 hingerichtet; am 13.2.1901 durch ksl. Edikt rehabilitiert (Hirth, S. 70). 1769 Mongole; im März 1900 Vizeminister wenig später Präsident des Finanzministeriums; als Befürworter einer konzilianten Politik gegenüber dem Ausland am 1. 8.1900 hingerichtet; am 13.2.1901 durch ksl. Edikt rehabilitiert (Hirth, S. 70, Li, 132 f.). 1770 „ehemaliger Gesandter, seit 1898 in der Verbannung lebend“; soll nach Bekanntwerden des Falls der Dagu-Forts auf Befehl der Kaiserin-Witwe in Urumqi ermordet worden sein (Hirth, S. 75). 467