Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Die Expedition nach dem Tode des Oberst von Yorck Der Großteil der Expeditionsteilnehmer legte in Chadao eine zweitägige Rast ein. 20 Mann des österreichisch-ungarischen Detachements unter LSL Sajiz schlossen sich der von Deutschen und Italienern beabsichtigten dreitägigen Expedition nach Yongning1568 an. Der größte Teil des Trains und die erkrankten Matrosen des k. u. k. Detachements blieben unterdessen unter dem Kommando von Seekadett Otto Hoppe in Chadao zurück; Hoppe sollte sich beim Abmarsch der Deutschen diesen anschließen. Vor dem Aufbruch nach Yongning verständigte Sajiz die k. u. k. Etappen-Kommandanten in Nankou und Shahe von der bevorstehenden Überführung des Grafen Yorck nach Beijing. Nach dreistündigem Marsch erreichte das nach Yongning bestimmte internationale Korps noch am Vormittag des 28. November Yanqing und setzte nach einer halbstündigen Rast um 11 Uhr Vormittag den Marsch fort. Nach viereinhalb Stunden trafen die Fußtruppen in Yongning ein. Das kleine k. u. k. Detachement besetzte das Westtor der Stadt, doch auch das rasche Vorgehen der Kavallerie hatte nicht verhindern können, dass sich „die meisten Boxer in die Berge geflüchtet“ hatten. Nur einer ihrer Anführer konnte gefangen gesetzt werden. Dieser Gefangene wurde am darauf folgenden Tag nach Yanqing gebracht und den dortigen chinesischen Lokalbehörden „behufs Justificierung übergeben.“ Die Exekution des Gefangenen sowie zweier weiterer in Yanqing selbst verurteilter Sympathisanten der Yihetuan fand am 30. November um 7.30 Uhr früh statt. Sajiz berichtete: Der Vorgang hiebei war ein grauenhafter. Das Messer der als Richtschwert gewählten Häckselschneidmaschine war vollkommen stumpf und verrostet und es gelang den Henkern bei dreimaligen Versuchen nicht, dem Delinquenten den Kopf vom Rumpfe zu trennen. Aus diesem Grunde wurden die drei Delinquenten auf Befehl des die Hinrichtung überwachenden Offiziers erschossen.1569 * Im Laufe des 30. November 1900 legte die von Yongning zurückkehrende Expedition die Strecke von Yanqing nach Nankou zurück und hielt lediglich in Chadao eine halbstündige Rast. In Nankou vereinigten sich die über die Große Mauer vorgedrungen Abteilungen des k. u. k. Detachements wieder mit der unter LSF Junowicz auf dem Ausmarsch nach Zhangjiakou in Nankou zurückgelassenen Etappe. Ein auch dem k. u. k. Detachement zugegangenes Befehlsschreiben des zum Nachfolger des verstorbenen Grafen Yorck bestellten Oberquartiermeister des Armee-Oberkommandos, Generalmajor Georg Gustav Freiherr von Gayl, ordnete unter anderem kleinere militärische Operationen in das Gebiet zwischen Changping und den Ming-Gräbem an. Die Bestrafung sollte sich gegen jene Dörfer richten, Österreich-Ungams maritim-militärische Präsenz in China... 1568 Wöj c i k (1902), S. 95 schrieb „Yung-ping“. Yongning liegt etwa 18 Kilometer ostnordöstlich von Yanqing. 1569 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an LDP, Peking, 20.12.1900. - Vgl. dazu auch Winterhaider (1902), S. 520. 427

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