Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner deren Bevölkerung im Juli 1900 ein „benachbartes Christendorf unter unerhörten Greuelthaten dem Erdboden gleich gemacht“ hatte.1'™ Gemäß Befehlsschreibens des Armee-Oberkommandos wurde LSF Junowicz von LSL Sajiz beauftragt, am 1. Dezember mit den drei Wochen lang in Nankou stationiert gewesenen österreichisch-ungarischen und italienischen Detachements nach Xiaohongmen1”1 zu marschieren, das Dorf zu umzingeln und vier namentlich bezeichnte Personen auszuforschen. Junowicz brach mit etwa 50 Mann am 1. Dezember um 4.30 Uhr früh von Nankou auf. Auf dem Marsch erfuhr Junowicz von dem ihm zugeteilten ortskundigen Chinesen, dass sich in dessen Heimatort Taipingzhuang* 1572 zwei führende Mitglieder der lokalen ,3oxer“ aufhalten würden. Junowicz ließ Taipingzhuang „bei dunkler Nacht“ umstellen und die beiden Genannten festnehmen. Beide gestanden ihre Teilnahme an der Ermordung von drei christlichen Familien - „12 Personen inclusive Weiber und Kinder“. Um 7 Uhr früh traf das österreichisch-italienische Kontingent schließlich vor Xiaohongmen ein und umstellte das Dorf. Die Vernehmung der Bevölkerung ergab, dass die als lokale Anführer der Yihetuan ausgewiesenen Personen - unter ihnen der Dorfvorsteher - bei Erhalt der Nachricht vom bevorstehenden Einmarsch des aus Zhangjiakou zurückkehrenden Expeditionskoips in Nankou schon am 29. November geflüchtet waren. Da in deren verlassenen Häusern zudem Waffen gefunden wurden, ließ Junowicz zwei dieser Häuser in Brand stecken und forderte die Bevölkerung des aus 70 Familien bestehenden Dorfes auf, binnen einer halben Stunde 1 000 Taëls Zum Kontext vgl. Lö ff 1 er (1902), S. 28. 1511 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an LDP, Peking, 20.12.1900. - Die Lokalisierung des von Saijiz in der Transkription „Ciau-hun-men“ gegebenen und als „6 km O von Nankau gelegenen Dorfes“ bezeichnten Xiaohongmen basiert auf der in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde 16 (1881) publizierten Karte (Tafel VII) „Aufnahmen im Gebirgslande nördlich und westlich von Peking“ von O. F. von Möllendorff (1881) und auf dem Guangxu Changping zhouzhi [Lokalhandbuch des Departements Changping aus der Guangxu-Zeit] (photomechanischer Nachdruck der Ausgabe von 1939, Taipei 1968), juan 4. - ln den österreichischen Berichten werden folgende korrumpierte Schreibweisen gegeben: „Tschiau- Hungmen“, In: Chronologische und alphabetische Zusammenstellung der im Jahre 1900 während der Wirren in China stattgehabten Affairen, an welchen Abtheilungen und einzelne Personen der bewaffneten Macht theilgenommen haben, Dienstbuch A-35.C., Praes. Nr. 419 zum Jahre 1902 - Normal-Verordnungsblatt für das k u. k. Heer, 5. Stück, Wien 1902, S. 2; „Tschian-hungmen“ bei Winterhaider (1902), S. 520; Wöjcik ging in seinem Vortrag auf diese kleine Expedition nicht ein. 1572 Taipingzhuang liegt etwa 5 Kilometer östlich von Nankou und ca. 1,5 km westlich von Xiaohongmen. Vgl. dazu die Karte (Tafel VII) von Möllendorff (1881) und die Angaben im Guangxu Changping zhouzhi, [Lokalhandbuch des Departements Changping aus der Guangxu-Zeit], photomechanischer Nachdruck der Ausgabe von 1939, Taipei 1968, juan 4, wo die Wegstrecke zwischen Taipingzhuang und Xiaohongmen mit 3 li angegeben wird. - In den österreichischen Berichten werden folgende korrumpierte Schreibweisen für Taipingzhuang gegeben: Taiping- Tschuen, Chronologische und alphabetische Zusammenstellung der im Jahre 1900 während der Wirren in China stattgehabten Affairen, an welchen Abtheilungen und einzelne Personen der bewaffneten Macht theilgenommen haben, Dienstbuch A-35.C., Praes. Nr. 419 zum Jahre 1902 - Normal-Verordnungsblatt für das k. u. k. Heer, 5. Stück, Wien 1902, S. 2; Taiping-Tschuan, Winterhaider (1902), S. 520. 428

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