Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner hineinblies und die Nachtruhe oft zu einer Qual machte, sodaß der Weitermarsch am Morgen eher als eine Erholung angesehen werden konnte.1555 Nachforschungen in den auf der Marschroute gelegenen Ortschaften hatten ergeben, dass reguläre Qing-Truppen von Osten kommend mit dem Ziel Xuanhua durchmarschiert waren. In Xuanhua - so hieß es - gamisonierte General He mit etwa 10 000 Soldaten und 24 Geschützen.1556 Am Nachmittag des 15. November erreichte das Expeditionskorps Huailai, „eine grössere, mit starken Mauern umgebene Stadt.“ Schon vor den Stadttoren erschien eine Delegation der wichtigsten Amtsträger, um den Kommandierenden „ihrer guten Gesinnung zu versichern“. Diese Szene wiederholte sich fortan in allen Ortschaften, welche die Expedition passierte. - Noch am selben Abend wurde in Huailai der Train der Expedition auf Befehl des Armee-Oberkommandos in zwei Abteilungen geteilt.1557 Am 16. November legte das Expeditionskorps 42 Kilometer zurück. Bei zwei halbstündigen Rasten hatte man die Strecke von Huailai nach Jimingyi in zehneinhalb Stunden zurückgelegt. Kurz vor Jimingyi wurde noch eine chinesische Reiterpatrouille in die Flucht geschlagen, ein Chinese wurde dabei getötet. In den Reihen der Italiener und der Deutschen waren große Marschverluste zu verzeichnen gewesen. Das österreichisch-ungarische Kontingent traf - „ohne einen Mann zurückgelassen zu haben“ gegen 17.30 Uhr „allerdings in sehr erschöpftem Zustande, aber guter Haltung“ in Jimingyi ein. Sajiz hob an dieser Stelle die Einsatzfreude des Seekadetten Otto Hoppe und des Quartiermeisters Markus Vranjes hervor. Beide hatten während der gesamten Expedition „ihren Dienst vorzüglich versehen.“ Am 17. November brachen die Reiter schon um halb sechs Uhr früh auf, um den Gegner die Rückzugsmöglichkeit nach Xuanhua abzuschneiden. Die Fußtruppen 1555 Wöjcik (1902), S. 94. - Zu den Temperaturen vgl. auch die Angaben bei Winterhaider (1902), S. 522. - Nach Waldersee (1923), III, S. 49 war die Temperatur auch in Beijing schon in der ersten Novemberhälfte auf-7 °C gesunken. 1556 Gleich lautende Angaben zu den Informationen des Expeditionskorps über die Stärke der regulären Qing-Truppen enthalten der Bericht Sajiz’ vom 20.12.1900 sowie die Darstellungen von Wöjcik (1902), S. 93. Zu den dort vermuteten chinesischen Truppen unter Führung von „Ma-yü-kun [...] und Ho-chen-tai“ vgl. auch MWB 86,1 (1901), Sp. 321. Mit „Ho-chen-tai“ ist wohl der aus der Provinz Anhui stammende General He Cheng’ao gemeint, der im August 1900 Ma Yukun attachiert wurde und mit diesem nordwestlich von Beijing die Gebirgspässe verteidigen sollte. Neben den Angaben im Chinese Biographical Archive (Mikrofiche), fiche 90, Feld 41, vgl. Liu Fenghan (1978), S. 653 sowie QSL, juan 467, 10a und 13a. - Der Chaha’er dutong (Befehlshaber der Bannertruppen in der Provinz Chaha’er) Kuishun berichtete unter dem 25.11. über das Vorrücken der fremden Truppen (yang bing) über den Juyong-Pass und Nankou und die vor Zhangjiakou ergriffenen Verteidigungsmaßnahmen (QSL juan 474, 4b); erst unter dem 4.12.1900 berichtete Kuishun, dass Deutsche, Österreicher(-Ungam) und Italiener über Xuanhua in den Raum Zhangjiakou vorgestoßen seien; vgl. QSL juan 474, 9a. 1557 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an das LDP, Peking, 20.12.1900. - ln Huailai wurde festgestellt, dass die chinesischen Truppen bis kurz vorher in der Stadt gewesen sein mussten. Vgl. dazu Löffler (1902), S. 25. 424

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