Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Österreich-Ungams maritim-militärische Präsenz in China... brachen zwei Stunden später nach dem etwas mehr als 30 Kilometer entfernten Xuanhua auf und schlugen den Weg über das Inundationsgebiet des Yanghe entlang des felsigen Yanranshan'558 ein. Sajiz betonte in seinem Bericht, dass selbst diese schwierigen Wegverhältnisse die Stimmung im österreichisch-ungarischen Detachement nicht trüben konnten. Grund dafür war zum einen „die herrliche Scenerie der Landschaft“ mit dem vereisten Fluss und den schroffen Bergen, zum anderen die Erwartung „noch heute auf einen standhaltenden Gegner zu treffen [...].“ Kurz vor Xuanhua wurde Sajiz mitgeteilt, dass sich die Qing-Truppen „in panikähnlicher Flucht“ auf der gegen Südwesten nach Taiyuan führenden Straße zurückgezogen hatten. Die deutschen Reiter hatten den Train der Qing-Truppen erreicht. Die Nachhut der Chinesen wurde somit von den weiter flüchtenden Truppen abgeschnitten und 400 Mann streckten widerstandlos die Waffen.1558 1559 - Sajiz berichtete, dass Xuanhua aus „drei rechteckig von starken Mauern umgebenen, an einander angebauten Stadttheilen, deren Gesamtumfang circa 16 km beträgt“ bestand. Die Umgebung der Stadt war damals nur zum Teil landwirtschaftlich genutzt, wobei die Weidewirtschaft überwog. Oberst Graf Yorck, der Kommandant der Expedition beabsichtigte die Truppen in Xuanhua rasten zu lassen. Nur zwei Kompanien der bis Xuanhua vorgerückten Truppen sollten Zhangjiakou besetzen. Über Saijz’ Ersuchen konnte auch das österreichisch-ungarische Kontingent an dieser Besetzung teilnehmen. Unter Führung des deutschen Majors Graham traten am 18. November um 8 Uhr früh eine Kompanie deutscher Infanterie, eine Kompagnie Bersaglieri und ein aus 35 Mann bestehendes k. u. k. Detachement unter LSL Saijz und Seekadett Hoppe den Marsch nach Zhangjiakou an.1560 Nach kleineren Gefechten erreichte die kleine Vorhut Zhangjiakou. Sajiz beschrieb die Stadt als in einem nur gegen Süden offenen Kessel gelegen. Zhangjiakou bestand zu diesem Zeitpunkt aus einer relativ kleinen ummauerten „City“, an die sich vor allem im Norden und Osten ausgedehnte Vorstädte anschlossen. Die „Tartarenstadt“ wurde von der Großen Mauer begrenzt, die dort schon damals weitaus schlechter erhalten war, als jene am Nankou-Pass.1561 Wie Winterhaider schrieb, zählte die Stadt damals etwa 70 000 Einwohner und vermittelte hauptsächlich den Handel zwischen der Provinz Zhili und der Mongolei; 1558 Zur Topographie des von dem internationalen Kontingent durchquerten Gegend „außerhalb“ der Großen Mauer vgl. vor allem Möllendorff (1881), Tafel VIII; zur Lokalisierung der Gebirgszüge die Karten im Huailai xianzhi [Lokalhandbuch des Kreises Huailai], 1559 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an LDP, Peking, 20.12.1900. 1560 Ebenda. - Zur Zusammensetzung der am 18.11.1900 nach Kalgan aufbrechenden Truppe vgl. auch Winterhaider (1902), S. 517. - Wöjc ik (1902), S. 94 schrieb, dass die Expedition nach dem sechsten Marschtag ziemlich erschöpft in Xuanhua angekommen war und eine Rast benötigte: „Umsomehr verdient es daher, hier hervorgehoben zu werden, dass die k. und k. Matrosen- Abtheilung freiwillig, bei Verzicht auf die Rast, mit der deutschen und italienischen Compagnie nach Kalgan weitermarschierte.“ 1561 KA, MS/OK 1901-X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an LDP, Peking, 20.12.1900. 425

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