Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner Pferdefutter (Heu, Gaoliangl529, und Mais) zur Verfügung stellen. Binnen einer Woche sollten 10 Ochsen, 20 Maultiere und 10 Wagen geliefert werden. Die Stadtverwaltung stimmte diesen Bedingungen sowie der Bereitstellung von Quartieren und chinesischen Lastenträgern zu, bat für die Zahlung der 3 000 Taël jedoch um einige Tage Aufschub. Tags darauf, am 14. November, sah Kubelka anlässlich der Besichtigung zahlreicher Häuser der Stadt, dass Shahe „vor kurzer Zeit ausgeplündert“ worden war.1530 Schon nach diesen Eindrücken musste er den Schluss ziehen, „daß das Elend hier furchtbar ist.“1531 1532 1533 Nachdem die Lieferung der verlangten Lebensmittel zur Zufriedenheit des Etappenkommandanten erfolgt war, verfügte er für die Zahlung der 3 000 Taël einen Aufschub von weiteren vier Tagen. Für den Morgen des 15. November verlangte er jedoch eine erste Zahlung von 1 000 Taël.'532 Im Anschluss an diese erste Zahlung ließ er die folgenden sechs Punkte an die Bevölkerung der Stadt proklamieren'533: 1. ) Die Stadt steht unter dem Schutze unserer Etappe. 2. ) Jeder Chinese der mit Waffen in oder ausserhalb der Stadt gesehen wird - wird erschossen. 3. ) Die Stadt hat die verlangten Sachen pünktlich zu bringen. Plünderungen, Raub, Diebstahl von wem überhaupt verübt werden auf das Strengste bestraft. 4. ) Anzeigen - Meldungen über gesichtete chinesische Soldaten, Boxer ­Räuberbanden sind an mich zu machen. - Boten erscheinen mit einer Flagge in der Hand. 5. ) Die Stadt soll den Verkehr beginnen - die Geschäfte eröffnet werden. 6. ) Falls die Stadt ihren Verpflichtungen pünktlich nachkommt wird sie von der sehr schwer zu liefernden Verpflichtung der Wagen enthoben werden. Kubelka hatte sich wohl bewusst für ein - im Kontext der übrigen damaligen militärischen Operationen in der Provinz Zhili - konziliantes Vorgehen entschieden. Durch sofortige Requisitionen unter der in Shahe verbliebenen armen Bevölkerung hätte er sich „in der Etappenstation einen Haufen feindlicher Bewohner erworben“ und damit riskiert, dass die ohnehin schwierig zu überblickende Situation in Shahe außer Kontrolle geraten wäre. Schon am 14. November wehten auf vielen Häusern der Stadt österreichische Fahnen. Die für einen allfalligen Besuch des Grafen Waldersee und seines Stabes vorbereiteten 1529 Sorghum vulgare bzw. Kolbenhirse. Vgl. dazu die beschreibende Bemerkung bei Winterhaider (1902), S. 3: „Eine besondere Abart von Mais - Kaulian - erreicht die stattliche Höhe von 3 Metem und verleiht der damit bepflanzten Gegend einige Zeit hindurch - man lässt ihn bis zu Anfang October stehen - ein Gepräge von Ueppigkeit.“ 15311 KA, MDP Res. 1900, Mappe „Expedition nach Kalgan“, Meldung des k. u. k. Etappenkommandos Sha-ho-tscheng, Sha-ho-tscheng, 14.11.1900. 1531 Vgl. dazu seinen Brief vom 20.11.1900 in NFP 25 958 vom 15.12.1936, Morgenausgabe, S. 11. 1532 KA, MDP Res. 1900, Mappe „Expedition nach Kalgan“, Meldung des k. u. k. Etappenkommandos Sha-ho-tscheng, Sha-ho-tscheng, 14.11.1900. 1533 E b e n d a, K. u. k. Etappencommando in Sha-ho-tscheng, No. 2, Sha-ho-tscheng, 17.11.1900. 418

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