Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Quartiere wurden mit deutschen Fahnen versehen. Die Etappenstation wurde in einem Tempel, der mit 2 Meter hohen Mauern umgeben war, eingerichtet; aus den Mauern des Tempels wurden am 14. November Schießscharten gebrochen, wodurch der Sitz des Etappenkommandos „einer kleinen Festung“ glich. Die Stallungen wurden wegen Raummangels in einem Tempel ganz in der Nähe eingerichtet.1534 Eine der Meldungen Kubelkas vom 17. November gibt Aufschluss über die in Shahe requirierten Transportmittel und Naturprodukte. Der k. u. k. Etappen­kommandant wies darauf hin, dass 18 der 20 für das k. u. k. Landungs- Detachement-Kommando requirierten Ochsen vorerst in Shahe zurückbehalten würden, da die Verpflegung in Shahe weitaus preiswerter wäre als in Beijing. 10 Maultiere und vier neue Wagen, sowie vier Hammel, Obst, einen Korb Eier sowie Pelze ließ er nach Beijing bringen.1535 Am 16. November entsandte Kubelka den Seekadetten Eberhard von Jettmar mit 12 Mann in die Gegend westlich von Shahe, um dort eine „friedliche Requirirung“ durchzuführen. Nach sechs Stunden kehrte dieser Trupp mit doppelt bespannten Wagen zurück und Jettmar berichtete, dass „die Ortschaft Kwansch [Guanshi1536] reich sei und dass dieselbe morgen 20 Ochsen, 10 Hammeln und noch weitere 2 doppeltbespannte und mit Kohle beladene Wagen her senden wird.“ - Tatsächlich wurden die versprochenen Waren am nächsten Morgen (17. November) nach Shahe gebracht. Kubelka berichtete, dass gleichzeitig auch „eine Deputation“ aus Guanshi und Yangfang beim Etappenkommando erschienen war, die sich „in schmeichelhafter Weise“ über die k. u. k. Matrosen äußerte. Die Deputation aus Yangfang und Guanshi brachte auch vier Körbe - Obst, Eier, Tee und Kuchen - als Geschenk nach Shahe.1537 Wie Kubelka schrieb, lobte die Bevölkerung von Shahe und Elmgebung das Verhalten der österreichischen Matrosen, denen das Plündern „wie es leider fast zur Sitte geworden ist“ - bei der Errichtung der Etappe verboten worden war: „Man bringt mir alles, was ich wünsche und nicht wünsche.“1538 Einige Tage nach der Errichtung der Etappenstation in Shahe hatte sich die Lage deutlich gebessert. Schon am 17. November bekam das k. u. k. Detachement keine bewaffneten Chinesen mehr zu sehen und zwei Drittel der verlangten Zahlungen waren bis zu diesem Tag bereits geleistet worden. Kubelka berichtete, dass sich das Leben in Shahe ab Mitte November 1900 wieder zu normalisieren begann. In der Österreich-Ungams maritim-militärische Präsenz in China... 1534 KA, MDP Res. 1900, Mappe „Expedition nach Kalgan“, Kubelka an Bless von Sambuchi, ohne No., Sha-ho-tscheng, 14.11.1900. 1535 Ebenda, Kubelka an Bless von Sambuchi, Sha-ho-tscheng, 17.11.1900. 1536 Guanshi, auf der Karte von Bretschneider (1876) in der Schreibung Kuanshi, auf jener von Möllendorff (1881) in der Schreibung „Guan-shy“ eingetragen, liegt 25 li (d. h. etwa 13 km) südwestlich von Changping; vgl. DMDC, S. 853. - Bretschneider (1876) S. 8 f. schreibt, dass in Guanshi und in dem benachbarten Yangfang die nach der Mongolei abgehenden Karawanen übernachteten. 1537 KA, MDP Res. 1900, Mappe „Expedition nach Kalgan“, K. u. k. Etappencommando in Sha-ho- tscheng, No. 2, Sha-ho-tscheng, 17.11.1900. 1538 Vgl. dazu seinen Brief vom 20.11.1900 in NFP, Nr. 25 958 vom 15.12.1936, Morgenausgabe, S. 11. 419

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