Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901
In Shahe wurde eine k. u. k. Etappenstation errichtet.1523 Als Kommandant dieser Etappe fungierte LSF Wenzel Kubelka, ihm zur Seite standen Seekadett Eberhard von Jettmar und 42 Mann.1524 In einem Brief in die Heimat meinte Kubelka am 20. November, dass man den Ort „schwerlich auf einer Karte finden“ werde. Shahe selbst beschrieb er als „eine kleine Stadt mit den obligaten halb zerfallenen Mauern in der Nähe des großen Tores ,Badalin’ [Badaling] der Chinesischen Mauer.“1525 Das Etappenkommando richtete Kubelka am Ufer des Beishahe am Nordende der Siedlung ein. Kubelka war vom deutschen Oberst Maximilian Graf Yorck von Wartenburg1526, dem Kommandanten der Expedition nach Zhangjiakou, mit detaillierten Anweisungen versehen worden. Um der Bevölkerung gegenüber Entschlossenheit zu demonstrieren, sollte er das Haus des Kreismagistrats (daotai), der sich dem Zugriff der kooperierenden Truppen durch Flucht entzogen hatte, besetzen, darin eventuell Vorgefundene Wertsachen konfiszieren und anschließend das Gebäude niederbrennen. Im Haus des daotai wurden unter anderem 16 Gewehre samt Munition gefunden, zu Mittag wurde das Haus niedergebrannt1527 1528: Mehrere Hunderte von Chinesen sahen diesem Schauspiele zu. Wie ich später erfuhr, betrachteten sie das Niederbrennen als eine gerechte Strafe, da der Tau-tai [daotai] bei der Bevölkerung wenig Sympathien besass.15 Schon am Nachmittag des 13. November präsentierte Kubelka den Notabein der Stadt die finanziellen und materiellen Forderungen seiner Etappe. Für die Flucht des daotai sollte die Stadt binnen 48 Stunden 3 000 Taël aufbringen. Pro Tag sollte die Bevölkerung den Besatzern 3 Hammel, 6 Hühner und 20 Eier sowie das nötige Österreich-Ungams maritim-militärische Präsenz in China... 1523 Bei Winterhaider (1902), S. 521 f. wird die Tätigkeit der k. u. k. Etappe in Shahe nur äußerst kursorisch dargestellt. 1524 KA, MS/OK 1901-X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an das Detachement-Commando Peking, Peking, 20.12.1900. 1525 „Ein österreichischer Marineoffizier in China.“ In: NFP, Nr. 25 958 vom 15.12.1936, Morgenblatt, S. 11. — Dieser Brief vom 20.11.1900, der - wie einige andere - von Adele von Sobieczky, der Witwe des 1900 im Range eines Fregattenkapitäns stehenden Adolf von Sobieczky (ohne Nennung des Autors) zur Veröffentlichung ffeigegeben wurde, stammt von LSF Wenzel Kubelka. - Vgl. dazu auch MMV 11,1 (Jan. 1937). 1526 Yorck von Wartenburg starb auf dem Rückweg von Zhangjiakou am 27.11.1900 an einer Kohlenmonoxydvergiftung. Vgl. dazu den Nachruf in MWB 85 (1900), Sp. 2765-2769. 1527 In einer Liste über die von den k. u. k. Abteilungen erbeuteten Stücke heißt es, dass 12 alte Vorderladergewehre, 2 Bajonette, und „5 Boxersäbel“ aus Shahe an das Detachement-Kommando abgeliefert worden wäre. KA, MDP Res. No. 8 ex 1901, Ausweis über die während der Operationen in China gemachte Kriegsbeute (handschriftliches Konzept), Beilage zu LDP an ECiO, Peking, 25.1.1901 - Zu den Instruktionen Yorcks für Kubelka vgl. dessen Brief vom 20.11.1900: „Oberst Graf Yorck, der Kommandant dieser Expedition gab mir deshalb bei seinem Abmarsche sehr streng lautende Befehle: erstens die Wohnung des Tao-Tai niederzubrennen, zweitens von der Stadt innerhalb zweier Tage 3 000 Taels Strafgeld zu verlangen, ferner, falls ich auf Schwierigkeiten stoßen sollte, sofort mit dem Niederschießen und Brennen zu beginnen.“ Zur von den Deutschen bei den „Strafexpeditionen“ geübten Praxis vgl. auch Rudolph Zabel, Deutschland in China, Berlin 1902, S. 293. 1528 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSF Wenzel Kubelka an das k. u. k. Kompanie-Kommando Peking, Peking, 25.12.1900. 417