Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901
Telegramm ein, dass „Pelze von der Escadre nicht unbedingt nöthig“ gewesen .. 1447 waren. Die mit der Beschaffung von Pelzen zusammenhängenden Schwierigkeiten waren auch Anfang Dezember 1900 noch nicht gelöst. Montecuccoli war der Ansicht, dass sich das Landungs-Detachements-Kommando Beijing die Beschaffung von Pelzstiefeln, „die doch für die Posten unbedingt benöthigt werden, nicht besonders angelegen sein“ ließ. Hatte das k. u. k. Landungs-Detachements-Kommando noch am 10. November telegraphiert, dass die Pelze in Beijing beschafft werden könnten und die vom Eskaderkommando beschafften nicht unbedingt nötig wären, so wurde am 18. November gemeldet, dass es unmöglich sei, in Beijing Pelzstiefel zu beschaffen. In der Folge verfügte Bless von Sambuchi, dass alle Pelzstiefel nach Beijing gesendet werden sollten. Wie Montecuccoli bemerkte, zeuge diese Verfügung aus Beijing „von einem nicht zu billigenden Mangel an Rücksicht gegen die anderen Detachements“. Der Eskaderkommandant verwies darauf, dass die Mannschaft des in Tianjin stationierten Haupt-Trains „demnächst die Bahntransporte geleiten [müßte] und hiedurch mitunter gezwungen sein wird, stundenlang auf offenen Waggons zu stehen.“ Daher werde sie „den Abgang von Pelzstiefeln nur zu sehr empfinden.“'448 Die Gesundheitsverhältnisse bei den gelandeten k. u. k. Truppen Der ungewohnte Einsatz in einem im Wesentlichen unbekannten Land und unter bisweilen extremen Witterungsbedingungen blieb auf die Gesundheit der am Land dislozierten k. u. k. Marineangehörigen nicht ohne Folgen.1449 In seinem Missionsbericht vom 1. Oktober 1900 bezeichnete Montecuccoli die Gesundheitsverhältnisse der Detachements als „leider nicht besonders günstig, da mehr als die Hälfte der Mannschaft an Darmkatarrhen zu leiden hat.“ Ende September waren auch fast alle Stabspersonen davon betroffen. Etwa ein Zehntel der Mannschaft musste zu dieser Zeit infolge schwerer Krankheiten (wie Dysenterie) behandelt werden.1450 In Beijing war eine autochthone Infektion der Österreich-Ungams maritim-militärische Präsenz in China... KA, MDP Res. No. 49 ex 1900, ECiO an Bless von Sambuchi, Res. No. 359/M, Taku-Rhede, 17.11.1900. KA, MDP Res. No. 92 ex 1900, ECiO an Bless von Sambuchi, Res. No. 400/M, Kobe, 5.12.1900. Vgl. dazu Statistischer Sanitäts-Bericht der k. u. k. Kriegs-Marine für die Jahre 1900 und 1901. Zusammengestellt von der IX. Abteilung des k. u. k. Reichs-Kriegsministeriums (Marine-Sektion), Wien 1902, S. 91 f. - Die Tätigkeit der Ärzte und Sanitäter im Rahmen der Ereignisse der Jahre 1900/01 war unter anderem auch Thema eines am 9.4.1904 im wissenschaftlichen Vereine der Militärärzte der Garnison Wien gehaltenen Vortrages eines k. u. k. Stabsarztes: Johann Steiner, Über den Sanitätsdienst während der Expedition nach China 1900-1901. In: Der Militärarzt, Beilage zur Wiener Medizinischen Wochenschrift, 38. Jg., No. 11/12 vom 17.6.1904, Sp. 97-104; No. 13/14 vom 8.7.1904, Sp. 118-124; No. 15/16 vom 12.8.1904, Sp. 133-137; No. 17/18 vom 9.9.1904, Sp. 154-158. - Ebenda, Sp. 157 f. ist auch eine Zusammenstellung der nach 1901 zu diesem Themenkomplex in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten erschienenen Fachliteratur abgedruckt. KA, MS/OK 1900-XI-2/7, Nr. 2 742, ECiO an RKM/MS, Res. No. 217/m, Taku-Rhede, 1.10.1900. 401