Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner einer Etapen-Station unbedingt erforderlich ist.“1444 Seine Ansichten zu den Missständen in Tianjin teilte Montecuccoli am 7. November Schusterschitz in Form eines Befehlsschreibens, das auch entsprechende Konsequenzen enthielt, mit: Die gelegentlich meines Aufenthaltes in Tientsin vorgenommenen Inspicierungen des Etapen-Commandos haben mich überzeugt, daß besonders der administrative Theil des Dienstes bei diesem so wichtigen und verantwortungsvollen Commando mit einer geradezu unqualificierbaren Fahrlässigkeit betrieben wird. Schon während der Inspizierung der Etappe hatte Montecuccoli Verbesserungen im administrativen Dienst in Tianjin angeordnet. Montecuccoli sprach von Unregelmäßigkeiten „in den Aufschreibungen der Material-Verschiebungen, in der Standesführung und in der Verrechnung der Mannschafts-Verköstigung“, die es nun in kürzester Zeit in Ordnung zu bringen galt: Wegen der bisherigen Fahrlässigkeit in der Leitung des administrativen Dienstes als Etapen-Commandant in Tientsin, bestrafe ich Sie mit einem lOtägigen Zimmerarrest, welcher am Tage des Eintreffens dieses Befehlsschreibens anzutreten ist.1445 Die Schuld an den Zuständen in Tianjin führte Montecuccoli zum Teil jedoch auch auf die Fahrlässigkeit des Landungs-Detachement-Kommandanten in Beijing, LSK Bless von Sambuchi, zurück: Ich hatte jedoch anlässlich der eingehenden Inspicierung auch Gelegenheit zu constatieren, dass vom k. und k. Landungs-Detachement-Commando nichts geschieht, um das Etapenwesen in irgend einer Richtung zu unterstützen. Montecuccoli wies darauf hin, dass Bless von Sambuchi gemäß der Ordre de bataille für Beijing einen Proviant-Unterofficier, für Tianjin einen Proviant- Matrosen zur Verfügung habe. Er hätte jedoch beide in Beijing zurückbehalten, obwohl es für ein Etapen-Commando von höchster Wichtigkeit ist, ein im Proviantdienste erfahrenes Organ für die fachgemässe Manipulation mit den Lebensmitteln zu besitzen.144'’ In einem weiteren Schreiben an Bless von Sambuchi, datiert mit 17. November 1900, bemängelte Montecuccoli die ungenaue Ausführung seiner Befehle durch das k. u. k. Landungs-Detachement-Kommando in Beijing. Angesichts der mangel­haften Verkehrsverbindungen zwischen Beijing und der Reede von Dagu erachtete Montecuccoli die präzise Befolgung seiner Befehle für unumgänglich. Als Beispiel dafür nannte er die Ausführung seines am 19. September 1900 gegebenen Befehls, rechtzeitig Nachforschungen nach Pelzmänteln und Pelzstiefeln für die eigenen Posten in Beijing und Tianjin anzustellen und über das Ergebnis der Erhebungen sowie über die benötigte Anzahl zu berichten. Ein solcher Bericht ist dem Eskaderkommando niemals zugegangen. Erst als das Eskaderkommando diese Waren „um theures Geld aus Shanghai bestellt“ hatte, traf aus Beijing ein knappes KA, MDP Res. No. 54 ex 1900, ECiO an Bless von Sambuchi, Res. No. 334/M, Taku-Rhede, 9.11.1900. KA, MDP Res. No. 43 ex 1900, ECiO an Schusterschitz, Res. No. 318/M (Abschrift), Taku-Rhede, 7.11.1900. KA, MDP Res. No. 54 ex 1900, ECiO an Bless von Sambuchi, Res. No. 334/M, Taku-Rhede, 9.11.1900. 400

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