Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

die Wachorgane nicht von jenem Eifer und Pflichtgefühl durchdrungen sind, welche allein den Fortschritt in der maritimen Ausbildung und ein tadelloses Verhalten der Schiffe gegen Aussen hin gewährleistet. Montecuccoli zeigte sich entschlossen, die Missstände sowohl an Bord der Schiffe als auch bei den gelandeten Detachements schleunigst abzustellen: Unsere Mannschaft ist träge und neigt zur Nachlässigkeit, wenn sie nicht mit Strenge und Consequenz behandelt wird, fühlt sie diese aber, so ist sie willig und leistungsfähig. Indem ich dies den k. und k. Schiffs-Commanden neuerdings nachdrücklich Vorhalte, bemerke ich, daß ich in Hinkunft nicht nur die Wach- und Inspections-Officiere sondern auch die höheren Organe für Saumseligkeiten wie die eingangs erwähnte, zur Verantwortung ziehen werde.1441 Von den organisatorischen Defiziten sowie von der mangelhaften Kommunikation zwischen dem Etappen-Kommando in Tianjin und dem Landungs- Detachement-Kommando in Beijing konnte sich Montecuccoli anlässlich einer Inspizierung der Kommanden in Tanggu und Tianjin selbst ein Bild machen. Wie die Kommandanten aller übrigen Eskader-Verbände begab sich auch Montecuccoli nach Tianjin. Zum einen inspizierte er die dort stationierten k. u. k. Marineeinheiten, zum anderen benützte er diese Dienstreise, um Nachrichten über die Ereignisse zu Lande einzuholen und den in Tianjin weilenden k. u. k. Gesandten vor dessen Abreise nach Beijing noch einmal zu sprechen. Am 22. Oktober besichtigte Montecuccoli die den unter k. u. k. Flagge auf dem Baihe fahrenden Dschunken zur Verfügung stehende Anlegestelle in Tianjin. Zudem inspizierte er das nach wie vor im Hause von Mr. Osbome untergebrachte k. u. k. Etappenkommando. Seit Anfang August musste für diese Räumlichkeiten 50 Taëls Miete bezahlt werden. In einem beschlagnahmten chinesischen Haus vis-à-vis der Osbome’schen Gebäude war die k. u. k. Haupt-Ambulanz untergebracht. Am Nachmittag traf Montecuccoli auch mit dem russischen Generalleutnant Linevic zusammen. Am 23. und 24. Oktober 1900 besichtigte Montecuccoli - teilweise gemeinsam mit Czikann - die wichtigsten Punkte von Tianjin; unter anderem besuchte Montecuccoli all jene Punkte, an denen das von LSL Indrak geführte Detachement im Juni und Juli zum Einsatz gekommen war. Am 26. Oktober nahm Montecuccoli eine administrative Inspizierung des k. u. k. Etappen-Kommandos vor. Diese zeigte ihm, dass beim Materialnachschub und in der Standesführung der häufig wechselnden Mannschaft „nicht jene Genauigkeit befolgt wird, die für die vollkommen klaglose Leitung eines Etapen-Commandos unbedingt erforderlich ist.“1442 Seinem Tagebuch vertraute er an, er habe in Tianjin „leider eine administrative Unordnung“ vorgefünden, „wie ich sie mir kaum hatte vorstellen können.“1443 Er kam zur Überzeugung, dass LSL Alois Schusterschitz „seinem wichtigen Dienste nicht jene Obsorge zuwendet, welche für die Leitung Österreich-Ungams maritim-militärische Präsenz in China... KA, Schiffsakten Maria Theresia 1900, ECiO an das Kommando S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“, Res. No. 224/m, Taku-Rhede, 7.10.1900. KA, MS/OK 1900-X1-2/7, Nr. 3 038, ECiO an RKM/MS, Res. No. 310/M, Taku-Rhede, 1.11.1900. KA, Nachlass B/830, Montecuccoli TB, S. 106. 399

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