Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)
Manfred Stoy: Die Ausbildung von ungarischen Historikern am Institut für österreichische Geschichtsforschung
Die Ausbildung von ungarischen Historikern am Institut für österreichische Geschichtsforschung Geschichtsquellen, Diplomatik (Privaturkunden mit Übungen), Archiv- und Bibliothekskunde sowie Kunstgeschichte. Nach dem plötzlichen Tode Mühlbachers im Jahre 1903 und einer einjährigen Führung der Direktionsgeschäfte durch Redlich wurde mit 1. April 1904 Emil von Ottenthal (1855-1931)18 zum Vertreter der Diplomatik in Wien ernannt. Redlich trat zugunsten seines Freundes zurück, der die Direktion übernahm und das Institut bis über den Ersten Weltkrieg hinaus, nämlich bis 1926 leitete. Ottenthal übernahm in der Folgezeit die Lateinische Paläographie, eine anerkannte Lehrveranstaltung, das Skriptum wurde weitergereicht, und die Urkundenlehre I und II. Redlich behielt die Privaturkunde und die schon früher genannten Vorlesungen19. 1. Gözsy, Gustav (1832-1885). 2. Ausbildungskurs 1857-1859. Mitgl. Nr. 9. Bedeutende Kursmitglieder: Zahn Josef v. (1831-1916, 1874-1905 Direktor des Steiermärkischen Landesarchivs). Lehrangebot: Österreichische Geschichte vom Regierungsbeginn Maria Theresias bis zum Tode Kaiser Leopolds II. und Österreichische Geschichte in übersichtlichen Vorträgen von Jäger. - Ausgewählte Partien der Österreichischen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Rechtsfragen, Geschichte des 17. u. 18. Jahrhunderts, vornehmlich von Österreich und Allgemeine Österreichische Geschichte von Lorenz. - Paläographische und diplomatische Übungen, Chronologie der Völker der alten Welt von Sickel. Gözsy studierte an der Universität Geschichte und geschichtliche Hilfswissenschaften. 1860 wurde er als unbesoldeter Konzeptaspirant in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufgenommen. Ab 1864 war er Konzipist im Chiffrendepartment des Ministerium des Äußeren, 1885 wurde er zum Sektionsrat ernannt. Er starb plötzlich 1885. Während seiner Archivzeit hat er sich um die Aufstellung und Anlage von Verzeichnissen der Amtsakten des Palatins Erzherzog Joseph verdient gemacht und von seiner Hand stammt der chronologische Zettelkatalog zu den ungarischen Urkunden20. 2. Franz Supala (1839-1875). 5. Ausbildungskurs 1863-1865. Mitgl. Nr. 28. Bedeutende Kursmitglieder: Kürschner Franz (1840-1882, 1872 Privatdozent für historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien). - Luschin von Eben18 Hirsch, Hans: Emil von Ottenthal. In: MIÖG 45 (1931) 271-277. - ÖBL 7 (1978) S. 269-270. 19 Santifaller: Institut, S. 19. - Lhotsky: Geschichte, S. 127-137, 201-241, 289ff. 20 Die Angaben über die bedeutenden Kursmitglieder wurden entnommen: Santifaller, Institut, S. 99 ff., einige Lebensdaten aus einschlägigen Publikationen bzw. Lexika ergänzt. Das Lehrangebot stammt aus den Vorlesungsverzeichnissen der Universität Wien, welche für die relevanten Jahre weder in der Universitätsbibliothek Wien noch in unserer Institutsbibliothek vollständig vorhanden sind. Eine separate Zusammenstellung der am Institut ausgebildeten Ungarn bis Adalbert von Pettkö findet sich bei Sickel: Römische Erinnerungen, S. 74. Zu Gözsy: Bittner: Gesamtinventar 1, S. 42. - Lhotsky: Geschichte, S. 73. 52