Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)

Manfred Stoy: Die Ausbildung von ungarischen Historikern am Institut für österreichische Geschichtsforschung

Manfred Stoy ben. Dieser hat sehr bald eigene Vorlesungen gehalten, nämlich die gesamte Ur­kundenlehre, Sphragistik und Deutsche Geschichte des Hochmittelalters, insbeson­dere über die Karolinger. Mit dem Rückzug Sickels nach Rom 1891 übernahm der schon seit 1890 als Mitdirektor fungierende Zeißberg die Leitung des Instituts. Die Hauptlast des Betriebes lag aber nun bei Engelbert Mühlbacher, Zeißberg hatte sich mehr der allgemeinen Geschichte zugewandt und hielt nur noch die Quellenkunde. Die Geschichte Österreichs las Alfons Huber14, die hinzugekom­mene Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Privatdozent Siegmund Herz- berg-Fränkel15. Karl Uhlirz16 hatte die Chronologie übernommen. Im Sommer 1892 beschloß die Philosophische Fakultät doch die Berufung eines zweiten Extra­ordinarius für historische Hilfswissenschaften, 1893 wurde hierauf der Archivbe­amte der Tiroler Statthalterei Oswald Redlich zum außerordentlichen Professor er­nannt. Schon vorher, nämlich im Wintersemester 1892/93 hatte er das Kolleg über Urkundenlehre gehalten (Kaiserurkunden), im Sommersemester folgten in diesem Kolleg die Papsturkunden. Vier Jahre später wurde Redlich dann zum Ordinarius ernannt (1897). Vorerst hielt er den dreiteiligen Zyklus Urkundenlehre, sodaß Mühlbacher sich auf die Paläographie beschränken konnte. Er erweiterte dann sein Lehrprogramm und las „Deutsche Geschichtsschreibung im 19. Jahrhundert“, „Quellen zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Neueren Zeit“, „Archiv­kunde“, „Sphragistik und Heraldik“ sowie den Zyklus „Allgemeine Geschichte des Mittelalters“. Die Zeit von 1891-1903 wird als die Glanzzeit des Instituts be­zeichnet. 1896 übernahm Zeißberg die Direktion der Hofbibliothek, Mühlbacher folgte ihm unter gleichzeitiger Ernennung zum Ordinarius als Institutsvorstand nach. 1898 ist dann Alfons Dopsch17 nach seiner Ernennung zum außerplanmäßi­gen Professor in den Lehrkörper des Instituts eingetreten. Er las in der Folge unter anderem die Quellenkunde zur Geschichte Österreichs, eine Geschichte der Ver­fassung und Verwaltung Österreichs verbunden mit Übungen zur Geschichte der Verfassung und Verwaltung Österreichs, dann Münz- und Geldwesen sowie die Österreichische Reichsgeschichte. Im Jahre 1896 hat Mühlbacher einen neuen Entwurf für Statuten des Instituts für österreichische Geschichtsforschung vorgelegt. Danach sollten im Vorbereitungs­jahr Quellenkunde der österreichischen Geschichte, Paläographie, Chronologie und allgemeine Kunstgeschichte geboten und besucht werden, im ersten Jahr der Mitgliedschaft Geschichte der Verfassung und Verwaltung Österreichs mit Übun­gen, Diplomatik (Kaiser- und Papsturkunden), Sphragistik und Heraldik sowie Kunstgeschichte mit Übungen, im zweiten Jahr Lektüre und Kritik österreichischer 14 Lhotsky: Geschichte, S. 99,138,140,147,178,201, 203, 216,223, 226 f, 267, 270, 279, 296, 318. - ÖBL 2 (1959) S. 442-443. 15 Lhotsky: Geschichte, S. 7, 177, 190, 216, 262, 292, 295. - Redlich, Oswald: S. Herzberg Frankel. In: MIÖG 35 (1914) 205-207. 16 Lhotsky: Geschichte, S. 153, 171, 172, 192, 204, 221 ff., 281, 291, 309, 383. - Ottenthal, Emil von: Karl Uhlirz. In: MIÖG 36 (1915) S. 214-216. 17 Lhotsky: Geschichte, S. 115, 197-199 usw. - Alphons Lhotsky, Alphons Dopsch In: MIÖG 63 (1955) 274-275. 51

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