Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

Herman Freudenberger: Die Pottendorfer Garn-Manufaktur

Die Pottendorfer Garn-Manufaktur Sätzen zu wider“. Diese Stellungnahme des Konsortiums Wiener Privatbankiers, die nur auf Gewinn gerichtet war, wie die Akten berichten, erlaubte es Kolbielsky, der Okroyirten Bank und einer mit ihr verbundenen Gesellschaft, Thomton durch einen Vertrag zu verpflichten33. Die Rolle, die Kolbielsky bei der Einführung einer Gammaschinenindustrie in Öster­reich gespielt hatte, scheint mit der Anwerbung Thorntons und seiner englischen Kol­legen und deren vertragmäßigen Anstellung in Betrieben ein Ende gefunden zu haben, ln der Regierung war man überzeugt, daß er die ganze Sache ins Rollen gebracht hatte, daß er aber nicht die Eigenschaften eines Unternehmers und Organisators besaß, um die Sache fortzuführen34. Das mag wohl in dem Sinn richtig sein, daß er ein Draufgänger war und nicht ablassen wollte, bis die Engländer nach Wien kamen, aber sich dann mit den maßgebenden Männern nicht einigen konnte. Buol-Schauenstein behauptete jedoch, daß der Kaufmann Johann Friedrich Hansen es war, „dem wir die allererste Anzeige der Sa­che und wirklich auch den ganzen Erfolg zuzuschreiben haben“35. In den Regierungs­kreisen scheint man geglaubt zu haben, daß sich Kolbielsky schon von Anfang an mehr für die Herstellung der Maschinen interessierte, als für die Erzeugung von Baumwollgarn. Wie oben erwähnt, wollte die Bank und Schwarzenberg nur Thomton vertragsmäßig übernehmen, jedoch nicht Lever. Schwarzenbergs Intuition war erfolgreich; die Kolbiel- skys, der sich als Geschäftsmann rühmte, war es nicht. Da er jetzt mit dem Vertrag Levers in der Hand dastand, mußte er sich darum kümmern, daß dieser englische Fachmann beschäftigt werden konnte. Deswegen setzte sich Kolbielsky mit dem Hofagenten Joseph Hartl Edler von Luchsenstein in Verbindung, um eine Gesellschaft für die Erzeugung von Baumwollgarn unter Levers Leitung zu gründen. Er kam zum richtigen Mann-nur wollte sich dieser und die Kompagnie, die er gründete, mit dem industriellen Un­ternehmen der Bank vereinigen, die jetzt auf einmal großen Wert auf das Privileg legte, das sich Kolbielsky mittlerweile verschafft hatte. Das Privileg erlaubte Kolbielsky, als alleiniger Hersteller von Maschinen (anscheinend nicht nur Textilmaschinen) für eine Zeit von 10 Jahren zu bestehen. Es gab ihm auch eine „unbedingte Concession zur Errich­tung einer Garn-Manufaktur für Schafwolle, Baumwolle und Flachs“36. Eines der Mitglieder der von Hartl gegründeten Gesellschaft, die zusammen mit der Bank und dessen Inhabern eine Maschinenspinnerei aufbauen wollte, war Fürst Niklas Esterhazy, wahrscheinlich der reichste Mann in der ganzen Monarchie. Auf seinem Gut Pottendorf wurde dann die Fabrik errichtet. Er selbst verkaufte seinen Anteil an der Fabrik in den 1820er Jahren an den Wiener Bankier von Sina. Kolbielsky scheint nichts weiter mit der Garn-Manufaktur zu tun gehabt zu haben. Er selbst eröflhete eine Maschinenfabrik unter der Leitung Levers, für die er ein Monopol­privileg erhielt. Die Oktroyirte Leihbank wollte nun Kolbielsky verpflichten, nur Maschinen an sie und ihre Gesellschafter zu verkaufen. Darauf wollte er sich aber nicht HKA Wien, Kommerz, Rote Nummer 176, fol. 527-569. 34 Ebenda, Rote Nummer 176, fol. 211-214. 35 Ebenda, Rote Nummer 306, 18. März 1801. 36 HHStA Wien, Kabinettsarchiv, NL Kolbielsky, Karton 22, 2. Jänner 1802. 119

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