Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)
B Der Rahmen - B1 Das Heer - Gesunde und Kranke
Studien zur Versorgung der Kaiserlichen Armee 1634/35 soll von den einzelnen „Landtsmitgliedern“ eingesammelt und im nächsten Jahr zu Lichtmeß [= 2. Februar] ohne weitere Aufforderung und ohne Abschlag im Einnehmeramt abgegeben werden. Ausgenommen von dieser Steuer sind lediglich diejenigen Orte, wo verwundete oder kranke Soldaten einquartiert sind. Für den Fall, daß jemand nicht oder nicht rechtzeitig zahlt, wird ihm die Exekution angedroht, wobei er selbst die dabei anfallenden Gebühren zu tragen hätte. Hier soll die Last, die durch die Einquartierung entsteht, durch diese Steuer gleichmäßig auf alle Schultern verteilt werden. Zu diesem Thema liegen weiterhin drei Listen vor, aus denen sich für bestimmte Truppenteile das Verhältnis von Kranken zu Gesunden ablesen läßt. Die erste Liste ist eine Rolle des Kürassier-Regiments Piccolomini vom April 163433, doch dieser Liste darf wegen ihrer geringen Größe keine große Aussagekraft beigemessen werden. Insgesamt werden in ihr 788 Soldaten aufgeführt. In den elf Kompanien bewegt sich der Anteil der Kranken zwischen 0 und 12,3 % und für das gesamte Regiment bei 2,8 %. Die beiden anderen Listen sind wesentlich aussagekräftiger, gerade weil die dort genannten Zahlen erheblich differieren. Die eine der beiden Listen stammt aus dem November 163434. Dort wird als zusätzliche Kategorie die der „Dismundirten“ (= Dismontierten) eingeführt, also die Soldaten separat aufgeführt, die, aus welchen Gründen auch immer, keine oder nur eine unvollständige Ausrüstung besitzen. Diese Gruppe wird jedoch ausschließlich bei den berittenen Regimentern genannt. Bei den 14 Kavallerie-Regimentern werden 6.480 Gesunde, 222 Kranke und 80 Dismundirte, bei den 14 Infanterie-Regimentern 5.904 Gesunde und 553 Kranke sowie bei zwei genannten Dragoner-Regimentern 390 Gesunde und keine Kranken aufgeführt. Der Prozentsatz der Kranken beträgt bei den Kavalleristen 3,3 % und bei den Infanteristen 8,6 %. Die zweite Liste führt die Regimenter der Mansfeldischen Armee aus dem Februar 1635 auf33. Hier schwankt der Anteil der Kranken in 19 aufgeführten Regimentern mit einer Gesamtstärke von 8.192 Soldaten zwischen 10 und 37 % bei einem Mittelwert von 23 %. Hier zeigt sich, daß die Zahl der Krankmeldungen im Verlauf des Winters erheblich zunahm, so daß am Ende des Winters bzw zu Beginn des Sommerfeldzuges große Ausfälle bei den Truppen zu verzeichnen waren. Zuletzt liegt noch ein Brief vor, den der Generalkriegskommissar für Österreich ob der Enns Reinhard von Walmerode an König Ferdinand III. geschrieben hat35 36. Etwas verwunderlich ist, daß Walmerode 35) AFA 1634/4/2 (5.4.1634). 34) AFA 1634/11/ad 106c (9.11.1634). 35) AFA 1635/2/57 II (identisch mit: AFA-AA 2514 1655/Feb/65). 36) AFA-AA 1635/4/115 (19.4.1635). 39