Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)
B Der Rahmen - B1 Das Heer - Größe und Struktur
Studien zur Versorgung der Kaiserlichen Armee 1634/35 solchen Beitritt so hohe Ersatzansprüche, daß der Kurfürst am 12. Oktober die diesbezüglichen Verhandlungen abbrach. Der gesamte hier betrachtete Zeitabschnitt ist geprägt von der Zurück- drängung der schwedisch-protestantischen Verbände, bis sie zum Schluß keine ehemals katholischen Gebiete mehr in Händen hatten. Nach der Reorganisation des kaiserlichen Heeres wurde gegen nur geringen Widerstand fast ganz Süddeutschland den Protestanten entrissen. Diese wurden besonders durch interne Probleme und Meinungsverschiedenheiten geschwächt. Die Verhandlungsbereitschaft wuchs auf der protestantischen Seite erst nach der Niederlage von Nördlingen stai'k an. Doch das militärische Übergewicht der Kaiserlichen nach diesem Sieg wurde durch den Kriegseintritt der Franzosen wieder neutralisiert. GRÖSSE UND STRUKTUR Die Heeresgröße nimmt vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Dreißigjährigen Krieg ständig zu. Darüber sind sich Creveld und Ku- nisch einige. Creveld gibt folgenden Überblick: “The period from 1560 to 1660 has been described as ‘the military revolution’ and as such was characterized above all by the immense growth in the size of Europe’s armies. Marching to suppress the revolt of the Netherlands in 1567, the Duke of Alba made a tremendous impression by taking along just three tercios of 3,000 men each, plus 1,600 cavalry; a few decades later, the Spanish ‘Army of Flanders’ could be counted in tens of thousands. The most important engagements of the French Hugenot wars during the latter half of the sixteenth Century were fought with perhaps 10,00015,000 men on each side, but during the Thiorty Years War battles be- tween French, Imperial and Swedish armies numbering 30,000 men and more were not uncommon. At the peak of their military effbrt in 1631-2, Gustavus Adolphus and Wallenstein each commanded armies totalling far in excess of 100,000 men4.” Kunisch widmet sich dem Anstieg der Armeegrößen innerhalb des Dreißigjährigen Krieges: „Zu Anfang des Krieges traten noch Armeen in einer Größenordnung von 20.000 bis 30.000 Mann ins Feld. Nach wenigen Feldzügen jedoch war die Truppenstärke um ein Vielfaches angestiegen, so daß Wallensteins kaiserliche Armee 1627 schon 100.000 Mann gezählt haben dürfte, bevor sie 1632 - also im Jahr der Entschei4) Creveld, Martin van, Supplying War. Logistics from Wallenstein to Patton. Cambridge 1977, S. 5. 23