Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)

B Der Rahmen - B1 Das Heer - Größe und Struktur

Wolfgang Pohl dungsschlacht von Lützen - einen Sollstand von 120 000 Mann er­reichte. Sie lag damit noch unter den Zahlen, die Gustav Adolf zur sel­ben Zeit aufzubieten vermochte5.“ In diesem Krieg erreichten die Heere Größen bis zu insgesamt 100.000 Mann. Dies ist allerdings die gesamte Heeresgröße, das heißt, diese 100.000 Mann sind auf mehrere kleinere Heere verteilt. Die höchste Truppenzusammenziehung ist im Winter 1632/33 feststellbar, in dem sich vor dem Lager der Kaiserlichen bei der Alten Veste vor Nürnberg zwei Heere von je ca. 40.000 Mann gegenüberliegen. Dazu dürften noch je ca. 10.000 Pferde kommen. Dies sind jedoch nur die Zahlen der kämp­fenden Truppen. Es ist davon auszugehen, daß noch einmal die gleiche Anzahl von Personen als Troß hinzutritt. Im Troß befinden sich die Frauen und Kinder (eheliche und uneheliche) sowohl der Offiziere als auch der einfachen Soldaten, dazu kommen noch Marketender jeder Art. Für die weitere Untersuchung ist es von sehr großer Wichtigkeit, die zahlenmäßige Größe des Kaiserlichen Heeres in dieser Zeit zu be­schreiben. Dabei ist es nicht ausreichend, die Gesamtzahl der Soldaten anzugeben, da die Zahl der Personen, die versorgt werden müssen, we­sentlich größer ist als die der Soldaten. Außerdem muß versucht wer­den, die Dislozierung, die Verteilung der Truppen innerhalb des Reiches zu erfassen. Denn nur wenn zumindest annähernd bekannt ist, wieviele Soldaten in welchem Gebiet zu verpflegen waren, kann der Versuch un­ternommen werden, über die Qualität der Versorgung eine Aussage zu treffen. Doch genau dies, die Feststellung der Zahl der zu versorgenden Per­sonen in einem bestimmten Gebiet, ist aufgrund der Quellen kaum möglich. Zwar existiert eine Liste aus dem Jahr 1634, in der für jedes einzelne Regiment angegeben ist, zu welcher Armee es gehört6, doch ist die Größe eines Regiments durchaus unsicher7. Selbst für den markan­testen Punkt innerhalb des zu untersuchenden Zeitabschnittes, für die Schlacht von Nördlingen, gibt es keine genauen Zahlenangaben. In ei­ner Untersuchung über die Schlacht von Nördlingen werden die unter­schiedlichen Zahlenangaben der einzelnen Autoren einander gegen­übergestellt8. Dabei zeigen sich große Abweichungen in der Angabe der Truppenstärken, nicht nur was die Zahlen des Aufmarsches betrifft, 5) Kunisch, Johannes, Wallenstein als Kriegsunternehmer. Auf dem Wege zum ab­solutistischen Steuerstaat. In: Mit dem Zehnten fing es an. Eine Kulturgeschichte der Steuer. Hg. v. Uwe Schultz. München 1986, S. 155. 6) Diese „Kriegslista“ wird im weiteren noch näher betrachtet werden. 7) vgl. u. S. 29 ff. 8) Fuchs, Die Schlacht von Nördlingen, Anhang. Fuchs stellt Zahlenangaben aus Schriften des 17. Jahrhunderts einander gegenüber. 24

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