Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)

B Der Rahmen - B1 Das Heer - Historischer Abriß

Studien zur Versorgung der Kaiserlichen Armee 1634/55 Das erste Treffen - am 5. September - verlief für die schwedische Seite positiv. Die Ereignisse des zweiten Tages werden von Schormann fol­gendermaßen geschildert: „Am 6. September 1634 kam es bei Nörd- lingen zur Schlacht. Sie begann als Kampf um eine Höhe, ähnlich wie beim Kampf um die Alte Veste bei Nürnberg, gegen die Gustav Adolf hatte stürmen lassen. Horn sollte das in diesem Fall besorgen, während Bernhard v. Weimar ihm dabei Rücken und Flanke freizuhalten hatte. Aber schon der Aufmarsch mißlang: Er wurde zeitig bemerkt, die Höhe verschanzt. Mittags mußte Horn aufgeben und ließ Bernhard benach­richtigen, daß er sich durch ein bestimmmtes Tal zurückziehe. Unseli­gerweise mußte Bernhard gleichzeitig aufgeben und konnte sich nur durch das gleiche Tal zurückziehen. Dort also fand das Gemetzel statt, in dem für die Schweden mehr verlorenging als nur eine Schlacht5.“ Bernhard von Weimar wurde verwundet und rettete sich nur mit knap­per Not, während Feldmarschall Horn, drei Generäle, vierzehn Ober­sten und 3.000 Mann gefangengenommen wurden. Die Zahl der Ge­fallenen auf schwedischer Seite betrug ca. 6.000 Mann, während die Kaiserlichen nur etwa 1.200 Tote zählten. In ähnlichem Verhältnis stand auch die Zahl der Verwundeten auf beiden Seiten. Die Katholischen wa­ren jedoch nicht in der Lage, diesen großen Sieg entsprechend aus­zunutzen. Gleich nach der Schlacht trennte sich der Kardinal-Infant mit seinem Heer von der kaiserlichen Armee und zog nach Jülich, weitere 7.000 Mann schickte Ferdinand III. nach Franken, während er selbst in Richtung des Rheins abzog und auf dem Weg Stuttgart besetzte (20. 9.). Dort blieb er bis zum Anbruch des Winters. Ein Grund für das zögernde Verhalten Ferdinands III. mag auch gewesen sein, daß nunmehr Frankreich immer mehr in den Krieg eingriff. Mitte September näherte sich der Marschall de la Force mit 35.000 Mann dem Oberrhein. Nach der Schlacht von Nördlingen zog sich Herzog Bernhard mit den Resten seiner Armee (ca. 14.000 Mann) in das Gebiet zwischen Neckar und Main im unteren Lauf und dem Rhein zurück, konnte jedoch auch von dort den Vormarsch der kaiserlichen Truppen in Württemberg nicht verhindern. Schon vor der Absetzung Wallensteins hatte eine Entwicklung be­gonnen, die kurz darauf größere Bedeutung erlangen sollte. Der König von Frankreich hatte dem Herzog von Lothringen sein Herzogtum Bar entzogen, weil der Herzog angeblich seiner Lehenspflicht nicht nach­gekommen war. Durch Verhandlungen des Bischofs Franz von Lo­thringen, einem Bruder des Herzogs Karl, war zunächst ein Vertrag zu­3) Gerhard Schormann, Der Dreißigjährige Krieg, Göttingen 1985, S. 50 f. 21

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