Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen

Als Preßburg noch unter dem Einfluss der ungarischen Regierung stand, befand man sich im Einklang mit den Kräften der ungarischen Revolution, das heißt der Verurteilung sogenannter panslawistischer Bemühungen. Im Dezember 1848 schließlich musste die Preßburger Zeitung nach dem Einmarsch der Habsburgischen Truppen in Preßburg für ihre zuvor gezeigte „schlechte politische Orientierung“12“ - das heißt, die proungarische - büßen. Am 22. Dezember 1848 wurde die Preßburger Zeitung nach dem Einmarsch der österreichischen Truppen in der Stadt durch den k.k. Kommandanten Wrbna ver­boten bzw. der Befehl erteilt, nur noch Korpskommando-Erlasse zu veröf­fentlichen. Jedoch gelang es Wigand schon bis zum 3. Januar, die Differenzen auszugleichen und die Zeitung wieder unter seiner Verantwortlichkeit erscheinen zu lassen. Auch jetzt gab sich die Zeitung wiederum regierungstreu, gleichwohl war es nun wieder der Kaiser und seine Politik, denen man huldigte. Die Zeitung fungierte als Organ der hiesigen Militär- und Zivilbehörden und bekannte sich zur Märzverfassung als Grundlage der Zeitung. Dies sollte jedoch nicht als Zwang verstanden werden und so wies man darauf hin, in keiner anderen „als ganz freiwilligen Beziehung zur Regierung zu stehen“.124 125 In der Überzeugung, „daß erst auf der neu aufzubauenden Ordnung unserer poli­tischen Zustände jene Freiheit erblühen könne, welche dem Redlichgesinnten, dem Guten, dem Freunde veredelnder Civilisation zum Heile, dem Feinde gesetzlicher Ordnung, dem Hasser echter Humanität, dem Verächter wahrer Cultur aber zum Verderben gereiche“, hielt man es für selbstverständlich an der Kräftigung der Exekutivgewalt mitzuwirken.126 Potemra erscheint es offensichtlich, dass sich die Redaktion in den Dienst der Wiener Konterrvolution stellte. Er unterstreicht dies etwa mit der Veröffentlichung von Windisch-Graetz' „An die Völker Ungarns“ vom 13. Januar 1849, in der Kossuth als Rebell bezeichnet wurde. 1849 sei eine Serie von Berichten mit dem Ziel erschienen, revolutionäre Gedanken in Ungarn zu neutralisieren. Dieses Ansinnen habe die Redaktion offen und verdeckt betrieben. So etwa in einem Artikel zum Thema „Was ist Freiheit?“ unterzeichnet mit J. P-tz127, wo dieser die These vertritt, Freiheit müsse man im Innern des Menschen suchen, nicht außer­halb, denn im öffentlichen Leben sei der leitende Gedanke die Ordnung und „ohne Ordnung besteht keine Freiheit". Wiederholt wird die Revolution nun als unge­hemmt und schrankenlos, ohne Ordnung und damit zerstörend dargestellt. In der Tat gab man sich weiterhin vorbildlich regierungstreu, vergessend die vehement antiösterreichische Gesinnung noch ein Jahr zuvor.128 Letztendlich lässt es sich wohl nicht zweifelsfrei klären, was die alte und neue Redaktion der Preßburger Zeitung dazu brachte, die neuen - kaisertreuen - Paradigmen so 124 Preßburger Zeitung, 22. Dezember 1848, Nr. 145. 125 Preßburger Zeitung 257, 7. November 1849 „Preßburg 6. Nov.“ 126 Preßburger Zeitung 257, 7. November 1849 „Preßburg 6. Nov." 127 Preßburger Zeitung, 18. Januar 1850. 128 Preßburger Zeitung, 1. Dezember 1849. 71

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