Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen

schnell zu akzeptieren. War es reiner Zwang, vorauseilender Gehorsam, oder fiel es den Deutschen in Ungarn tatsächlich recht leicht, sich mit wechselnden Regimen schnell abzufinden, eben um das Beste aus der Situation zu machen. Wie sich noch zeigen wird, war man auch sonst um Erklärungen nicht verlegen, warum sich der größte Teil der Deutschen während der Revolution mit den Ungarn und ihrer Politik scheinbar identifiziert hatte. In den Jahren 1849/50 widmete sich die Zeitung in verstärktem Maße der Reorganisation der öffentlichen Ordnung in Ungarn und propagierte den Gedanken eines einigen und mächtigen Österreich. Im Rahmen der Nationalitätenfrage set­zte sich die Zeitung nun vor allem für deutsche, aber auch für slowakische Belange ein. Sie unterstützte etwa ausdrücklich die Verwendung der deutschen Sprache in der Administration und in Schulen an Orten, wo die deutsche Bevölkerung überwog, wies jedoch Vorwürfe der Magyaren zurück, man würde Germanisierung betreiben, nur weil man gegen magyarische Hegemonie eingestellt sei.129 Die Zusammenarbeit mit herausragenden Persönlichkeiten der Slowaken wie Húrban, Štúr, Francisci oder Viliam Pauliny-Töth gilt als nachgewiesen. Ebenso ist es nicht auszuschließen, dass bei der Zeitung noch weitere ehemalige Redakteure der Slowakischen Nationalen Zeitung (wie Nikolaus Dohnäny) beschäftigt waren. Nach Meinung Potemras dürfe man die Standpunkte der Zeitung in dieser Zeit hinsichtlich nationaler Fragen nicht überbewerten. Sie seien motiviert gewesen duch das Bemühen Wiens, die Nationalitäten von der ungarischen Revolution zu isolieren und so die Bedeutung der Revolutions­bewegungen in Ungarn zu schwächen.130 Von Seite der Slowaken schien man dem Blatt jedoch Vertrauen zu schenken wie dies aus Zuschriften von slowakischer Seite hervorgeht.131 Das Programm der Zeitung in diesen Jahren blieb dasselbe, wenn die Namen der Redakteure (Rotter, Höchell, Pablasek, Némethy, Angermeyer) auch wech­selten. Es war gekennzeichnet durch Befürwortung von Konstitutionalismus, gemäßigtem Konservatismus, Einheit des Reiches, Stärkung des Bürgertums oder Gleichberechtigung.132 Nach einer Reorganisation der Redaktion im Juli 1850 (Redakteur Richard Rotter)133 stumpfte auch die offen antimagyarische Ausrichtung der Zeitung ab. Schon zehn Jahre später machte die Preßburger Zeitung wiederum einen auf den ersten Blick interessanten Gesinnungswandel durch. In den sechziger Jahren vertrat man mehr und mehr die Ansicht, dass man sich in den letzten 129 Preßburger Zeitung, 31. Juli 1849. 130 Potemra (1963) S. 60. 131 Preßburger Zeitung, 3. November 1849 „ Aus dem Myawa'er Bezirk“. 132 Gegner für diesen reichsfreundlichen Kurs fanden sich im ungarischen Lager schnell und konn­ten sich auch in der Zeitung artikulieren, etwa Preßburger Zeitung 171, 24. Juli 1850, S. 724. 133 Siehe dazu die Programmerklärung Rotters in der Preßburger Zeitung vom 1. Juli 1850. 72

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