Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen

Zeitraum zwischen 1790 und 1795 florierte die Preßburger Zeitung und verzehn­fachte die Anzahl der Pränumeranten von 100 auf 1000. 1795 erlebte die Familie Länderer jedoch bezüglich ihrer Beziehungen zum Herrscherhaus eine herbe Erschütterung, als der Sohn Michael III. Länderer der Teilnahme an der Verschwörung der „Ungarischen Jakobiner“ unter Martinovics überführt wurde. Johann Michael II. Länderer erlag am 20. Juli 1795 einem Herzschlag. Die Zeitung selbst blieb jedoch bis 1812 unter Leitung der Länderers, bis sie schließlich öffentlich versteigert wurde. Nachdem jedoch der Familie am 20. Juni 1797 die Adelsprivilegien wieder entzogen wurden und das Vertrauen gegenüber dem Herrscherhaus gebrochen war, galten - wohl schon seit 1795 - wieder ver­schärfte Zensurbedingungen. 1812 schließlich wurde das Blatt an den Drucker Simon Peter Weber verpachtet.116 In den ersten Jahren des Vormärz, geprägt durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses, einer reaktionären Politik unter Metternich und seinem berüchtigten Polizeichef Sedlnitzky, finden sich kaum Beiträge zu innenpolitischen Themen und Konstellationen, die hier interessieren könnten. Bemerkbar wird jedoch eine zunehmende Konzentration auf Ungarn, besonders in den Jahren nach dem Reichstag von 1825-1827 bis 1848. Wenn überhaupt, dann fanden sich publizistische Themen in den Beilagenblättern der Preßburger Zeitung - etwa dem Unterhaltungsblatt oder der Aehrenlese. Wichtig nicht nur für die Entwicklung der Preßburger Zeitung sondern für das ungarische Pressewesen - oder genauer gesagt: Zeitschriftenwesen - insgesamt waren die Beilagenblätter der Preßburger Zeitung. In ihnen äußerte sich die ungarische und ungarndeutsche Publizistik, während in der Zeitung selber vor allem reine Informationen vermittelt wurden. Die erste Beilage mit dem Titel „Der Freund der Tugend“ erschien 1767. Meier führt 14 unterschiedliche Blätter bis 1894 an. Drei davon wurden für diese Untersuchung mit herangezogen. Es sind dies das „Unterhaltungsblatt“ (1811-1826), die „Preßburger Aehrenlese“ (1827-1836) sowie die „Pannónia“ (1837-1849). Leider jedoch sind nicht mehr alle Beilagen­blätter im Preßburger Stadtarchiv erhalten, wie „Der vernünftige Zeitvertreiber“ (1770) oder „Historisch-kritisch-moralisch-politische Beyträge zur Beförderung der deutschen Literatur, der schönen Wissenschaften, Kenntnisse, Künste und Sitten" (1783). In diesen Beilagenblättern mehrten sich im 19. Jahrhundert Artikel, die sich Fragen des kulturellen Lebens in Ungarn widmeten.117 Gelehrte ihrer Zeit wie Georg Carl Rumy, Franz von Csergő oder Johann Csaplovics verhalten den Blättern zu zusätzlichem Ansehen und behandelten in ihren Beiträgen keineswegs nur Themen, die die Deutschungarn direkt betrafen sondern befassten sich auch inten­siv mit der ungarischen und slowakischen Literatur und Geisteswissenschaft. Die Zeitung selber widmete sich dagegen von ihren Anfängen bis 1840 vor allem der Berichterstattung. Eigenständige politisch-gesellschaftliche oder auch wis­senschaftliche Berichte wurden nicht veröffentlicht.118 Die Berichterstattung 116 Pächter bis 1848 siehe Serafľnová (1999) S. 63. 117 Potemra (1963) S. 48. 118 Siehe zur Geschichte der Preßburger Zeitung Potemra (1963) S. 28ff. 68

Next

/
Thumbnails
Contents