Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen

umfasste dabei Nachrichten aus dem Aus- und Inland sowie vom Krieg. Potemra datiert Artikel von gesellschaftlich-kultureller Bedeutung seit 1813 in den Beilagen (damit innerhalb des Unterhaltungsblattes) und folgert daraus für wei­tere Untersuchungen auf dem Feld der Entwicklung des Zeitungswesens, „dass die ideologische Entwicklung des deutschen Zeitungswesens in der Slowakei und speziell in Bratislava eher aus den Beilagen der Preßburger Zeitung als aus der Zeitung selbst zu rekonstruieren sein wird.“119 Zu einer Veränderung bezüglich des Inhalts der Zeitung kam es mit der Übernahme der Redaktion durch Adolf Neustadt am 3. August 1841. Neustadt erlebte und begleitete publizistisch während seiner Anwesenheit in Preßburg bis 1848 drei ungarische Landtage und richtete dabei seine Polemiken gegen alle damaligen politischen Strömungen in Ungarn. Der Preßburger Zensor widmete sich den Artikeln Neustadts sehr viel intensiver als denen der ungarischen Zeitungen, da er angesichts der Verbreitung von Preßburger Zeitung und Pannónia auch in Wien aufkommende Unruhe befürchtete.120 Neustadt schaarte in seiner Redaktion einen Kreis bedeutender li­terarischer Angestellter um sich (Adolf Dux, Leopold Kampert, Raphael Busch, Ignác Einhorn - der spätere Nationalökonom I.C.Horn - , Joseph Weigl, Dr. Heinrich Löw u.a.). Kanzler Metternich erkannte eine Gefahr in Neustadts Tätigkeit in Preßburg und versuchte mit etlichen Maßnahmen - Zensurbestimmungen, Konfiskation der Pannónia auf der Post usw. - seinen Einfluss zu begrenzen. Neustadt griff auch auf Artikel aus ungarischen und österreichischen Zeitungen zurück, die sich mit aktuellen politisch-gesellschaftlichen Fragen befassten und die auch im Gau oder im Landtag Grundlage für Diskussionen abgaben. Diese Beiträge, die immer noch der Berichterstattung zuzuordnen sind, wuchsen allmählich zu eigenständigen Artikel aus. So wurden Themen wie die Ausweitung des Stimmrechts der ungarischen Städte im Landtag, nationale Fragen in Ungarn, die Aufgaben des deutschen Drucks oder die Entwicklung des Handwerks in Ungarn besprochen. Es wurden kommentierte Überblicke über das politische Leben in Ungarn gegeben, schon verbunden auch mit Kritik an der ungarischen konservativen Partei und an Verfehlungen der Aristokratie, die sich gegen der Fortschritt richteten. Einige dieser Artikel bilden auch die Grundlage der vorliegenden Untersuchung. Durch diese Berichterstattung war die Preßburger Zeitung Anfang 1848 unter Neustadts Führung vorbereitet für eine Verbreitung der Gedanken der Märzrevolution. Von allen ungarischen Zeitungen brachte die Preßburger die ausführlichsten Berichte von den Sitzungen des ungarischen Landtages in Bratislava, durchsetzt mit revolutionär gestimmten Kommentaren. Schon Ende Februar 1848 konnte Neustadt die Pannónia frei von Zensur herausgeben und am 15. März 1848 schließlich feierte die Preßburger Zeitung frenetisch die Pressfreiheit. Dann jedoch, nach Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung Preßburgs, ver­119 Potemra (1963) S. 28 (Übersetzung durch den Verfasser). 120 Potemra (1963) S. 29. 69

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