Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen
Gemeinheiten gegenüber Andersdenkenden und predige, wie sich zeige, unter anderem den Judenhass. Nur solchen Auswüchsen wolle man mit der Zensur zuvorkommen. Am 5. Januar 1850113 hieß es zum Thema Pressefreiheit schlicht, diese sei durch den Belagerungszustand nicht aufgehoben beziehungsweise vernichtet, sondern werde nur strenger überwacht. Die folgenden Ausführungen sollen einige Informationen speziell zu den bearbeiteten Zeitungen und Zeitschriften bringen, die für eine Einordnung des Textmaterials nützlich sind. Vor allem sollen die jeweiligen Herausgeber, Drucker, Mitarbeiter (hier Informationen vor allem nach Meier) und die Erscheinungsbedingungen der Zeitungen vorgestellt werden, soweit diese Informationen aus der betreffenden Literatur erfahrbar sind. Ziel ist es, die ideologischen und ideengeschichtlichen Hintergründe der Zeitung deutlich werden zu lassen. 4.2 „Preßburger Zeitung“ 1764 gründeten Karl Gottlieb Windisch und Johann Michael II. Länderer als Herausgeber und Drucker die „Preßburger Zeitung“. Nicht nur Redakteure, Herausgeber und Drucker, sondern auch der Titel sowie die Erscheinungsweise der Zeitung veränderten sich in der langen Geschichte des Blattes - die bis ins Jahr 1929 reicht - mehrere Male. Die wichtigsten Titel, Namen und Daten sind bei Jörg Meier zusammengestellt. Genauere Informationen zur Geschichte dieses und anderer Blätter finden sich bei Potemra sowie speziell zur „Preßburger Zeitung“ bei Serafihovä. An dieser Stelle sollen nur Daten Erwähnung finden, die für Zeitraum und Ausrichtung der Arbeit sinnvoll erscheinen. Am Beginn der „Preßburger Zeitung“ bis in die 1790er Jahre überwog die internationale Berichterstattung. Im Jahr 1784 erhielt der Herausgeber des Blattes Michael II. Länderer von Joseph II. das Adelsprädikat für seine Verdienste um die Buchdruckerei und die Treue zu den Habsburgern und dementsprechend regierungstreu und der Politik Josephs II. zugeneigt muss man sich die Berichterstattung vorstellen.114 Sicher spielte auch hier die Frage der Zensur eine Rolle, jedoch nahm diese erst nach dem Tod Josephs II. weit stärkere Ausmaße an als zu dessen Lebzeiten. Der Katholizismus und die Habsburgtreue des Herausgebers ließen die Zensur diesem gegenüber wohl Nachsicht walten.115 Im 113 Preßburger Zeitung 4, 5. Januar 1850. 114 Beipielhaft sind Würdigungen des Herrschers wie in Preßburger Zeitung 67 vom 22. August 1787 oder auch ein Nachruf, in dem es in Preßburger Zeitung 17 vom 27. Februar 1790 heißt: „Die Geschichte wird ihm die Gerechtigkeit leisten, daß er mächtige Vorurtheile zum Theil gluecklich besieget, und daß er großen Wahrheiten, nicht nur den Weg zum Throne eroeffnet, sondern auch einen ausgebreiteten Einfluß verschaffet hat. / Er hat auch in der kurzen Zeit seiner Regierung, so viele wichtige Anstalten gemacht, und so viele segenvolle Denkmaehler der Weisheit und Güte hinterlassen, daß der Dank der Nachkommenschaft seinen Namen verewigen wird.“ 115 Serafľnová (1999) S. 16; in Anlehnung an Pichler nennt S. Karl Gottlieb Windisch, Ján Matej Korabinszky, Daniel Tallyai und Michael II. Länderer als Zeitungsschreiber, die für die Qualität des Blattes bürgten (siehe auch S. Anm. 68, 69 und 70), Serafínová (1999) S. 19. 67