Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen
sogenannte Stempelsteuer erhöht sowie neben der lokalen Pressepolizei noch die Zoll- und Postämter zur Beaufsichtigung beauftragt. Bis 1848 wurde die Zensur vom König als uneingeschränktes Regalrecht ausgeübt und schließlich durften die ungarischen Zeitungen auch nur das drucken, was zuvor bereits im „Wienerischen Diarium" veröffentlicht wurde. Nach 1790 verschärften sich die Zensurverordnungen weiter, was zu einem starken Rückgang der periodischen Presse in den ersten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts führte. Mit den Landtagsbeschlüssen von 1811/12 wurde die Zensur in Österreich und Ungarn nach denselben Prinzipien geregelt und zudem erhöhte sich der Einfluss auch der Wiener geheimen Polizei auf das ungarische Pressewesen. 1820 wurde die Einfuhr ausländischer belletristischer Blätter verboten, wodurch die Monarchie gegenüber dem Ausland weitgehend isoliert wurde. Interessant bleibt allerdings die Tatsache, dass in Ungarn vielfach eine Stimmung für die Zensur herrschte.111 1846 erschien eine weitere Zensurverordnung, bevor die Zensur insgesamt 1848 vorübergehend aufgehoben wurde. Dennoch war die Lage in Ungarn trotz der schweren Bedingungen hinsichtlich der Zensur im Zeitraum bis 1848 immer noch erträglicher als in den Gebieten Österreichs. Dies zeigte sich gerade bei den Zeitschriften, die seit 1819 einen Aufschwung erlebten. Vielen deutschen und österreichischen Autoren (u.a. Clemens Brentano, Stifter, Grillparzer, Keller), die in ihrem Land der strengen Zensur unterlagen, gelang es, in ungarischen Zeitschriften zu veröffentlichen. Die kurzzeitige Aufhebung der Zensur im Jahr 1848 führte zu einem explosionsartigen Anschwellen des ungarischen Zeitungswesens. Innerhalb kurzer Zeit erhöhte sich die Anzahl der Blätter von 27 auf 86. Meist waren sie jedoch von rein politischem Inhalt, was in dieser turbulenten Zeit wohl keine gesicherte Grundlage zu sein schien. Manche dieser Blätter erlebten nur eine Nummer und die Zahl der Zeitungen war schon 1850 wieder auf 29 gesunken. Nach der Niederschlagung der ungarischen Revolutionsbewegung wurden die Zensurbestimmungen durch die Militärbehörden wiederum verschärft (Presseverordnungen von 1851 und 1852) bis sie schließlich im Jahr 1867 aufgehoben wurden. Eine günstigere Lage für Zeitungsneugründungen deutscher Blätter (auch angesichts zunehmender Magyarisierungen) schien bis zu diesem Zeitpunkt in den Provinzstädten zu bestehen, etwa in Leutschau mit der Gründung des Zipser Anzeigers im Jahr 1863. Die Zensurbestimmungen wurden jedoch auf den Seiten der Zeitung nicht immer nur negativ wahrgenommen. Gerade in der Pressburger Zeitung erschienen nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution vermehrt Artikel, die diese Regelungen als Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung verstanden wissen wollten.112 Nur eine gesteuerte Presse könne somit zur politischen wie zur wissenschaftlichen und moralischen Vervollkommnung der Gesellschaft beitragen. Eine freie Presse dagegen neige zu Zynismus und 111 Vgl. Rčz (1935) S. 28. 112 Preßburger Zeitung, 24. Februar 1849, „Die Gemeinheit der Journalistik“. 66