Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen

Preßburg oder der Zips. Weiter sollte ein möglichst ausgedehnter Erscheinungs­zeitraum vorliegen, um möglichst auch Entwicklungen innerhalb der Berichter­stattung einer Zeitung ablesen zu können. Schließlich erschienen die Beilagen­blätter der Pressburger Zeitung gerade mit ihren publizistischen Inhalten eine auf­schlussreiche Quelle für die zugrundeliegenden Fragestellungen zu sein. Grund­legende recht umfangreiche Informationen zu den fremdsprachigen Zeitungen auf dem Gebiet der Slowakei bietet vor allem Potemra100, aber auch die immer noch beachtenswerte Bibliographie von Heinrich Réz101. Speziell zur Preßburger Zeitung gewähren Informationen die Schrift von Serafinová und schließlich auch die älteren Werke von Angermeyer102, Pichler103 und Reschat104, letztere allerdings auch mit deutlich tendenziöser Färbung. Für Geschichte und insbesondere Sprache des Zipser Anzeigers ist der Beitrag von Jörg Meier105 nach wie vor zentral. Die deutschsprachige Publizistik in Ungarn hatte ihre Wurzeln noch weit vor dem Erscheinen der ersten Ausgabe der Preßburger Zeitung im Jahre 1764. Abgesehen von unregelmäßigen Drucken und Flugblättern erschien in Ofen be­reits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der deutschsprachige Mercurius, dessen erste erhaltene Nummer (Nr. 27) vom 2. April 1731 datiert. Mit dem Preßburger Bürgermeister Karl Gottlieb Windisch (1725-1793) tritt in dieser Stadt eine Figur ins Rampenlicht, mit der die Entwicklung des Zeitungswesens der Stadt, Oberungarns aber auch des Landes insgesamt einen entscheidenden Schritt nach vorne machte. Als Mann der Aufklärung verstand er seine Aufgabe als erster Redakteur der Preßburger Zeitung - wie auch vieler seiner Nachfolger - darin, Wissen zu pflegen und zu vermitteln. Dabei bezog sich diese Vermittlung immer auch auf das Verhältnis zwischen Deutschen und Ungarn. Die Aufgabe einer deutschen Presse in Ungarn sollte ausdrücklich nicht darin liegen, das deutsche Element in Ungarn nach außen zu repräsentieren, sondern umgekehrt: ausgleichend, vermittelnd und aufklärend auf das deutsche Element nach innen zu wirken. Diese Vermittlerposition sollte vor allem dahingehend genützt werden, die deutschstämmigen Bevölkerungsteile an das Ungarntum106 heranzuführen oder etwa auch Vorurteile abzubauen, beziehungsweise die Magyaren dem 100 Potemra, Michal: Bibliografia inorečovych novín a časopisov na Slovensku do roku 1918. [Bibliographie der fremdsprachigen Zeitungen und Zeitschriften bis zum Jahr 1918], Martin 1963. 101 Réz, Heinrich: Deutsche Zeitungen und Zeitschriften in Ungarn von Beginn bis 1918, München 1935. 102 Angermeyer, Carl jun.: Geschichte der Buchdruckerei Carl Angermeyer's, Preßburg 1896. 103 Pichler, Alois H.: Enstehung der Pressburger Zeitung. Heraugegeben zum 150. Jahrgange, Pressburg 1913. 104 Reschat, Gertrud: Das deutschsprachige politische Zeitungswesen Preßburgs. Unter beson­derer Berücksichtigung der Umbruchsperiode 1918/1920 (Südosteuropäische Arbeiten 26), München 1942. 105 Meier, Jörg: Untersuchungen zur deutschsprachigen Presse in der Slowakei, Levoča 1993. 106 Gemeint ist das ungarische Staatsbürgertum. 64

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