Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches

und Húrban auf einer Versammlung den Aufstand offiziell aus. Nach anfänglichen Erfolgen kam der Vormarsch der Freiwilligen allerdings ins Stocken, was neben einer feindseligen Einstellung der kaiserlichen Truppen nicht zuletzt auch auf eine defensive Taktik und Führungsfehler der Slowaken zurückgeführt wird.73 74 Am 25. September erließ der Kaiser ein Manifest, in dem er den Aufstand verurteilte und ankündigte, die Ordnung in Oberungarn wieder herzustellen. Hinzu kamen verlorene Schlachten und Auseinandersetzungen innerhalb des Lagers der Aufständischen, das sich bald auflöste, wobei Teil­nehmer des Aufstandes gefangen genommen oder hingerichtet wurden. Letztlich blieb die September-Kampagne der Slowaken völlig erfolglos.7,1 Viele Slowaken kämpften gar auf der Seite der Ungarn und Hurbans Appelle an die Bevölkerung verhallten oftmals ungehört. Viele slowakische Kämpfer, die in die Hände der Ungarn fielen, bezahlten mit ihrem Leben - die sogenannten Kossuthgalgen säumten die Straßen. In der Folge verschärfte sich jedoch das Klima zwischen Pest und Wien wei­ter, so dass eine militärischen Auseinandersetzung bald unausweichlich schien. Die Unnachgiebigkeit der Magyaren in der nationalen Frage und ein anfänglicher Hoffnungsschimmer für eine aufkeimende Hilfsbereitschaft seitens der Wiener Regierung ließen die Slowaken dort die Erfüllung ihrer Wünsche erwarten. Dem Kaiser hingegen musste daran gelegen sein, die nichtmagyarischen Bevöl­kerungsteile und damit vor allem die Slawen für den Kampf gegen die ihm wider­spenstigen Magyaren auf seine Seite zu bekommen. Die Ziele dieser beiden „Gefährten“ unterschieden sich dabei jedoch grundle­gend. Hatte Wien vor allem die Niederschlagung der Revolution, die Stärkung beziehungsweise Wiederherstellung der Zentralgewalt, die Beseitigung der Opposition und die Verhinderung eines konstitutionellen Systems verfolgt, so begriffen die Slowaken einen kaiserlichen Sieg als Voraussetzung zur Durch­setzung ihrer nationalen Interessen. Zunächst sprach sich Windisch-Graetz gegen ein Zusammengehen mit den Slowaken aus und erst nach langen Ge­sprächen gelang es Húrban, Štúr und anderen, die Regierung von einer slowa­kischen Beteiligung am Vorgehen gegen die Magyaren zu überzeugen. Die Grundlagen dieser Zusammenarbeit versuchte Húrban der slowakischen Bevölkerung in der Schrift „K národu slovenskému“ näher zu bringen. Er drück­te darin die Treue zum Kaiser, den Willen zur Einheit des Reiches und der nationalen Gleichberechtigung aus. Einige Tschechen sowie die Vereinigung „Slovanská Lľpa“ unterstützten diesen zweiten militärischen Einsatz. Leiter der kaiserlichen Einheiten, zu denen auch die slowakischen Einheiten eingefügt wur­den, wurde Baron H. Lewartowski. Eine kleinere Einheit von Freiwilligen formierte sich auf die Initiative unter anderen von Hodža während der Monate November und Dezember in der Westslowakei. Schon nach der Kapitulation von Leopoldov am 2. Februar 1849 jedoch zeigte sich, als man Windisch-graetz um 73 Siehe Škvarna (1992) S. 57. 74 Folgendes nach Stanislav Kirschbaum, Reflections on Slovak History, Toronto 1987. 53

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