Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches

neue Ausrüstungen bat, dass die Unterstützung seitens der Generalität für das Korps enge Grenzen hatte. In diesem Fall gelang es Hodža noch, die Existenz des Korps zu sichern. Auch entwickelten sich Anfang 1849 gerade in der Westslowakei ungünstige Bedingungen für die Slowaken. Windisch-Graetz zeigte sich hier ihren nationalen Bedürfnissen vollkommen verschlossen, stützte sich in der Besetzung wichtiger Funktionen wie der königlichen Kommisäre vor allem auf den konservativen Adel (Altkonservative). Slowakische Repräsentanten versuchten, auf Missstände hinzuweisen, jedoch weitgehend vergebens. Wiederum herrschte Ungarisch als Amtssprache in der Slowakei und Slowaken hielt man von entscheidenden Stellen fern. Allerdings wurden auch in dieser Zeit immer wieder Vorschläge gemacht, wie man die verfassungsrechtlichen Probleme in den Griff bekommen könnte. Ein neuer Vorschlag von Mailäth75, der eine Abtrennung ukrainischer und slowakisch­er Gebiete von Ungarn andachte wurde abgewiesen. Gerade aber die öster­reichischen mitlitärischen Erfolge stärkten die Regierungskreise, die bis April 1849 vor allem von Windisch-Graetz und den magyarischen Altkonservativen beeinflusst waren. Diese versuchten eine Abtrennung der slowakischen Gebiete von Ungarn unbedingt zu vermeiden um die Integrität eines „Kleinungarn“ (ohne Kroatien, Siebenbürgen und die Militärgrenze) zu sichern. Damit sollten natürlich auch der Magyarismus gesichert und die nationalen Ansprüche der Nichtmagyaren auf einige Zugeständnisse im Sprachgebrauch beschränkt werden. Wie auch andere slawische Nationalitäten innerhalb Ungarns versuchten die Slowaken, auf eine Föderalisierung der Monarchie hinzuwirken und somit die Auslösung ihres Gebietes aus Ungarn - allerdings unter Wahrung der Reichseinheit - zu erreichen. Einige tausend Slowaken einigten sich am 29. Januar 1849 auf ein solches von Húrban formuliertes Programm. Eine für die Slowaken repräsentative Deputation sollte mit diesen Forderungen zum Kaiser geschickt werden, was schon dadurch schwer zu erreichen war, da das Programm in der Westslowakei gar nicht erst veröffentlicht werden durfte. Im März sollte eine Bittschrift in sechs Punkten an den Kaiser gehen, jedoch wurde man von der oktroyierten Verfassung überrascht, die unmissverständlich deut­lich machte, dass die Slowakei Bestandteil Ungarns bleiben würde. Hastig über­arbeitete man die Bittschrift, in der man nur noch eine Autonomie innerhalb Ungarns forderte und übergab sie am 20. März 1849 dem Kaiser in Olmütz. Damit waren die slowakischen Politiker aber auch die ersten, die die oktroyierte Verfassung offiziell anerkannten. Sie sahen nach wie vor keine andere Möglichkeit, als eine Verbesserung ihrer Lage beim Kaiser zu suchen, verloren jedoch in dieser Zeit auch die Unterstützung in weiten Teilen der slowakischen Bevölkerung, die von der Wiener Politik enttäuscht waren.76 Einen Hoffnungsschimmer bedeuteten für die Slowaken positive Signale des Innenministers Stadion sowie die Einsetzung slowakischer Vertrauensleute 75 Johann Graf von Mailáth (1786-1855): Ungarischer Historiker und Herausgeber. 76 Škvarna (1992) S. 85. 54

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