Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches
Weiden ersetzt wurde. Die Armee zog sich bis nach Wien zurück, jedoch verpassten die Ungarn, die Ende Mai auch Buda wieder unter ihrer Kontrolle hatten, bis Wien vorzurücken und damit möglicherweise den entscheidenden Sieg zu erringen. Die Österreicher hingegen bekamen nun Zeit sich neu aufzustellen. Dennoch gelang es den Ungarn noch einmal, die gesamte Slowakei abgesehen von den westlichsten Teilen um Preßburg unter ihre Kontrolle zu bringen. Gerade in dieser Phase schöpften neben Rumänen und Serben auch die Slowaken Hoffnung, Wien zu größeren Zugeständnissen zu bewegen und ihre Eigenstaatlichkeit durchsetzen zu können. Auch bildeten die Slowaken nun auf Initiative vor allem Hodžas, Daxners41 und Francincis42 ein neues Freiwilligenkorps, welches wieder unter der Führung des polnischen Barons Lewartowsky in enger Fühlung mit den österreichischen Truppen gegen die Ungarn Vorgehen sollte. Nun jedoch bestand das Offizierskorps ausschließlich aus Slowaken. Das Kriegsglück der Ungarn hingegen war nur von kurzer Dauer. Sie schwächte nicht zuletzt auch die Uneinigkeit in den eigenen Reihen über die Vorgehensweise (etwa Kossuth auf der einen, Görgey auf der anderen Seite). Von entscheidender Bedeutung aber wurde das Eingreifen Russlands auf der Seite der Österreicher. Am 21. Mai 1849 einigten sich Franz Joseph I. und Zar Nikolaus I. auf ein gemeinsames Vorgehen, ab Juni intervenierte die Armee des Zaren in Ungarn, was am 13. August 1849 zur ungarischen Kapitulation bei Világos führte. Kossuth und andere Vertreter der ungarischen Revolution traten die Flucht in die Türkei an. Nach dem Scheitern der Revolution wurde Ungarn unter eine Militärverwaltung gestellt und zum Teil blutigen Vergeltungsmaßnahmen unterzogen wie das sogenannte Blutbad von Arad am 6. Oktober 1849 durch General Haynau, wo 13 Generäle der Honvéds ihr Leben ließen. In kurzer Zeit ließ Haynau 114 Hauptvertreter der Revolution kaltblütig hinrichten. Diese Maßnahmen vergifteten das Verhältnis zwischen der ungarischen Nation und den Habsburgern nachhaltig. Zu den wichtigsten verfassungs- bzw. verwaltungsmäßigen Folgen der gescheiterten Revolution zählte wohl die sogenannte Verwirkungstheorie. Nach österreichischer Lesart hatte Ungarn durch die Ereignisse seine konstitutionellen Rechte „verwirkt“ und wurde deshalb einer zentralistsch-absolutistischen Regierung unterstellt. Das Land erhielt den Status einer Reichsprovinz, die Komitatsautonomie wurde aufgehoben und das Gebiet in fünf Verwaltungsbezirke43 aufgeteilt. 41 Stefan Marko Daxner (Geb.: 26.12.1822 Tisovec, gest.: 11.4.1892 Tisovec), Jurist. Politiker. Studium in Preßburg und Eperies. 1849 Teilnahme an der slowakischen Revolution. Herausragende Persönlichkeit in der slowakischen Politik in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Initiator der slowakischen Nationalversammlung 1961 in Martin. Verfechter der nationalen Souveränität der Slowaken. 42 Ján Francisci (Geb.: 1.6.1822 Hnúšťa, gest.: 7.3.1905 Martin), Jurist, Schriftsteller. 1830- 1847 Studium in Ožďany, Leutschau, Preßburg und Eperies. 1861-1863 Herausgeber der „Peštbudínske vedomosti". Herausragender Repräsentant und Organisator der slowakischen nationalen Bewegung. 43 Siebenbürgen mit dem Partium, Kroatien-Slawonien, die serbische Woiwodschaft mit dem Temescher Banat, die Militärgrenze und Kernungarn. 38