Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches

Der Vormarsch der österreichischen Hauptarmee setzte sich am 13. Dezember 1848 in Richtung Ungarn in Bewegung. Schon am 18. Dezember 1848 konnte Windisch-Graetz ohne auf Widerstand zu stoßen Preßburg ein­nehmen, aus dem sich (neben Raab) zuvor Arthur Görgey mit seinen Truppen zurückgezogen hatte. Bereits am 5. Januar zog Windisch-Graetz darauf in Pest ein, während sich die ungarische Armee ostwärts über die Theiß weiter zurück­zog. Angesichts des raschen Vordringens der österreichischen Truppen bildeten sich in der ungarischen Führung zwei Gruppen. Diejenige um Görgey war bereit, mit Österreich in Friedensverhandlungen zu treten, bei denen die ungarische Verfassung und die Märzgesetze anerkannt werden sollten. Demgegenüber jedoch bestand Windisch-Graetz auf der bedingungslosen Kapitulation. Die ungarischen Radikalen um Kossuth jedoch setzten eine Umsiedlung der Verfassungsorgane nach Debrecín und eine Fortsetzung des bewaffneten Kampfes durch. Was die slowakische Beteiligung an diesem Vorgehen anging, drohte mit den österreichischen Anfangserfolgen schon die Auflösung des slowakischen Korps (angeblich aus Angst vor dessen revolutionärem Potential), die nur durch die Initiative Hodžas39 sowie tschechischer Abgeordneter verhindert werden kon­nte.40 Der Slowakische Nationalrat selber war der kaiserlichen Führung unterge­ordnet, konnte keine eigenen Entscheidungen treffen und fungierte als bera­tendes Organ sowie zu Agitations- und Propagandazwecken. Zu den entscheidenden Eckdaten des Verhältnisses zwischen Österreich und Ungarn gehört weiter der 4. März 1849, als der Kaiser die neue Verfassung der Monarchie oktroyierte. Die konservativen Kreise um Windisch-Graetz drängten die Regierung schon seit Dezember 1848 zu einem solchen Schritt. Wollte der Reichstag auch selber bis zum 15. März eine ausgearbeitete Verfassung vorlegen, wurde dieser doch noch am 7. März aufgelöst, nachdem die oktroyierte Verfassung schon am 4. März herausgegeben wurde. Damit wurde Ungarn dem zentralistischen Reich als Kronland eingefügt. Aus Ungarn ausgegrenzt wurden Kroatien, Siebenbürgen und die Militärgrenze, der Rest sollte - mit der Slowakei - als sogenanntes Kleinungarn erhalten bleiben. Kossuth veranlasste daraufhin am 14. April 1849 das Abgeordnetenhaus, die Unabhängigkeit Ungarns und die Absetzung der Habsburger zu erklären. Dies wurde jedoch von keiner der europäischen Großmächte anerkannt. Trotz der für Österreich scheinbar entscheidenden siegreichen Schlacht über die Ungarn bei Kapolna am 26. März konnten die Ungarn noch einmal das Kriegsglück für sich gewinnen und starteten ab Ende März eine erfolgreiche Frühlingsoffensive. Wien antwortete am 12. April 1849 mit der Ablösung von Windisch-graetz, der durch 39 Michal Miroslav Hodža ( Geb.: 22.9.1811 Rakša, gest.: 26.3.1870 Tešin), Theologe, Schriftsteller. 1822-1837 Studium in Neusohl, Roznava, Eperies, Preßburg und Wien. Zusammen mit Štúr und Húrban eine der führenden Persönlichkeiten der slowakischen nationalen Bewegung. 40 Siehe Škvarna (1992) S. 75. 37

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