Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Dröge, Kurt: "Poneránia néprajzi atlasza" és mai jelentősége

Acta Ethnologica Danubiana 2-3 (2000-2001), Komárom-Komárno Der “Atlas der Pommerschen Volkskunde” und seine Auswertungsmöglichkeiten in der Gegenwart Kurt Dröge Die Teilung Pommerns, der ehemaligen preußischen und deutschen Reichsprovinz, nach 1945 durch eine Staatsgrenze bildet aus territorialgeschichtlicher Sicht nur eine von mehreren Zäsuren, die durch Grenzziehungen aufgrund herrschaftlich-staatlicher oder kriegerischer Einflußnahmen in dieser Region zu verzeichnen gewesen sind. Die Teilung durch eine Staatsgrenze, zuerst zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen, heute zwischen Deutschland und Polen, stellt aber durch den nahezu vollständigen Bevölkerungswechsel im polnischen Teil Pommerns einen in dieser Form zuvor nicht dagewesenen Einschnitt dar. Seit der Frühen Neuzeit ist das gesamte pommersche Gebiet nicht nur als territoriale, son­dern im wesentlichen und mit zunehmender Tendenz auch als kulturräumiiche Einheit betrachtet worden. Inwieweit das hieraus folgende, verbreitete Bild einer kulturellen Einheitlichkeit im Sinne einer Art geschlossenen kulturellen Regionalcharakters bis zum Ende des 2. Weltkriegs einer forschungsbezogen argumentierenden kulturwissenschaftlichen Kritik generell standhält, konnte bisher kaum herausgearbeitet werden. In einem nochmals deutlich geringeren Maße ist der ethnographische Blick geöffnet worden für eine verglei­chende Analyse der seit 1945 gewachsenen und weiterentwickelten Alltagskulturen (samt ihrer Grenzlinien) beidseits der Staatsgrenze, die erst seit gut zehn Jahren eine auch für grenz­überschreitende Forschungen offene Grenze darstellt. Allerdings gibt es in dieser Richtung erste, vorsichtige Ansätze, etwa die Betrachtung der Oder als Kulturlandschaft in der heuti­gen Grenzregion (Horoszko 1998). Dabei stellt der praktisch vollständige Bevölkerungswechsel im historischen Hinterpommem, im wesentlichen dem heutigen Pomorze Zachodnie, angesichts der ehemals hermetisch abgeriegelten Staatsgrenzen und gleichzeitig vor dem Hintergrund der unter­schiedlichen Entwicklungen in den beiden deutschen Staaten bis 1989 eine kulturale und kul­turwissenschaftliche Herausforderung allererster Güte dar. Denn es ist konkret wie auch grundsätzlich zu fragen, was an materieller Kultur und an geistig-mentalen Kulturmustem wie etwa Erschließungs- und Überlieferungsweisen agrarischer oder urbaner Kulturland­schaft überleben kann, wenn der Kulturträger, der Mensch, radikal ausgewechselt wird, sowie auf welche Weise und in welchen Formen dies geschieht. Es dürfte eine auch im Hinblick auf kulturtheoretische Fragestellungen weiterführende volkskundlich-ethnographische Chance darstellen, sich diesem Themenkreis von zwei Seiten aus, aber im Prinzip gemeinsam, zu nähern. 95

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