Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Dröge, Kurt: "Poneránia néprajzi atlasza" és mai jelentősége

Bislang muß an dieser Stelle im wesentlichen von einer nach wie vor ethnozentrierten Beschäftigung ausgegangen werden. Die seit 1989 auf beiden Seiten der Grenze sprunghaft anwachsenden regionalgeschichtlichen und -kulturellen Bestrebungen versuchen, neue Identitäten zu entwickeln mit recht unterschiedlichen Tendenzen. In Vorpommern entsteht nach den massiven Tabuisierungen Pommerns seitens der SED-Politik und DDR­­Kulturpflege ein neues Geschichtsbewußtsein, das mit einer veränderten kulturellen Identität zu korrespondieren scheint, welche sich bis zu einem gewissen Grad an die Stelle gesamt­­pommerschen Denkens und Bewußtseins schiebt. Vorpommern wird hier zu Pommern. In Pomorzie Zachodnie sind allerorten vielfältige Tendenzen einer erstmals offenen, frei­willigen Aneignung, die seit langem bestehende Bedürfnisse befriedigt, der seit mehr als 50 Jahren „heimischen“ Kulturlandschaft zu spüren. Dabei treten zunehmend ethnische und nationale Sehweisen in den Hintergrund, indem deutsche und polnische bzw. kaschubische Anteile an der Geschichts- und Kulturentwicklung der weiten pommerschen Gebiete grund­sätzlich akzeptiert und in eine tendenziell transnationale Geschichtsdarstellung eingebracht werden. Daß hier gleichwohl auch weiterhin noch viele Schwierigkeiten zu überwinden sind, bedarf sicherlich keiner Betonung. Werden diese angedeuteten Prozesse von den Geschichtswissenschaften, von der Landesgeschichte bis zur Lokal- und Heimatgeschichte, in unterschiedlicher Weise begleitet und zum Teil unterstützt, so steht die ethnograpisch-volkskundliche Arbeit auf beiden Seiten hier noch vollkommen am Anfang. Im Rahmen der frühen polnischen Integrationsforschun­gen sind, allerdings vor dem politischen Hintergrund der Zeit, interessante Aneignungs­prozesse beschrieben worden, die sich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten auf unter­schiedlichen Feldern der Alltagskultur entwickelt hatten. Die Ergebnisse solcher Forschungen bedürfen einer kritischen Rezeption und, vor allem, einer Weiterführung unter veränderten Rahmenbedingungen. Hierzu gehört auch etwa die museologische Aneignung historischer materieller Alltagskultur in Pomorze Zachodnie, die noch weitere “gläserne Grenzen” im Sinne von Hemmschwellen des ethnographischen Denkens zu überwinden haben wird. Was generell noch weitgehend fehlt, ist die gemeinsame, auf polnischer und deutscher Seite vonstatten gehende Rezeption der älteren volkskundlichen Forschung auf pommer­­schem Territorium und über pommersche Völkskulturfonnen, um zu neuen Forschungen ansetzen zu können, welche die Entwicklung der letzten 50 Jahre dann mit zu umfassen haben. Hier sind die Geschichtswissenschaften den Kulturwissenschaften sicher mindestens einen Schritt voraus, den es möglichst rasch aufzuholen gilt. Denn etwa die recht bald nach Kriegsende in mehreren polnisch-pommerschen Regionen seitens der Museen in Szczecin, Koszalin und Slupsk sowie der Universitäten Poznan und Torun durchgeführten Sammel-, Dokumentations- und Forschungsaktivitäten (Dröge 1997), deren für ihre Zeit singuläre Ergebnisse und Befunde nicht hoch genug eingeschätzt werden können, entbehren bis heute einer Verbindung mit den regionalvolkskundlichen Arbeiten aus der Vorkriegszeit. Diese gin­gen vom seinerzeitigen Pommerschen Provinzial- bzw. Landesmuseum in Stettin sowie vom Volkskundlichen Archiv für Pommern in Greifswald aus. Eines der wesentlichsten Arbeitsergebnisse dieser deutschen Volkskundeforschung der 1930er Jahre über die Verhältnisse in Pommern stellt der “Atlas der Pommerschen Volkskunde” (APV) dar, der bis heute weder auf deutscher noch auf polnischer Seite 96

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