Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Becker, Siegfried: Határvidék. Néprajzi feltárás és sztereotípiaképződés: Galícia és Bukovina a felvilágosult abszolutizmus korában

Acta Ethnologica Danubiana 2-3 (2000-2001), Komárom—Komárno Grenzland. Ethnographische Erschließung und Stereotypenbildung: Galizien und die Bukowina im aufgeklärten Absolutismus. Becker, Siegfried Am Ende des 19. Jahrhunderts, als es angesichts der nervösen politischen Stimmungslagen in Mitteleuropa angezeigt schien, in den bunten ethnographischen Beschreibungen des europäi­schen Völkerlebens immer wieder auch Augenblicksbilder aus dem östlichen Europa zu liefern, den Paß von Jablunkau zu überschreiten und in ein “fremdes, von der westeuropäi­schen Kultur wenig berührtes Land” einzutreten (Winkler 1903, 3), erinnerte man sich auch wieder an die Reisen Josephs II. nach Galizien und der Bukowina. 1895 legte Dr. Johann Polek, Kustos der k.k. Universitäts-Bibliothek in Czemowitz, eine Studie zur Bedeutung dieser 1773, 1780, 1783 und 1786 unternommenen Reisen für die besuchten Provinzen vor (Polek 1895). Polek war es auch, der mit seinen bibliographischen Übersichten über die Volkskunde der Bukowina 1896 bis 1900 die Region in den Bestrebungen des Österreichi­schen Museums für Volkskunde vertrat (Polek 1898 und 1902), eine Ethnographie aller Kronländer im Habsburgerstaat zu intensivieren und bibliographisch zu erfassen (Hittmair/Haberlandt 1901). Die besondere Würdigung, die das Kronland Galizien in diesen ethnographischen Unternehmungen am Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr (vgl. Schindler 1997), ist nun - hun­dert Jahre später - wieder einer eingehenderen Betrachtung unterzogen worden. In Wien und im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee wurden 1997/98 zwei Ausstellungen gezeigt, die Galizien, dem abgelegenen, peripheren Grenzland der alten Donaumonarchie gewidmet waren (Kohl/Brix 1997), einem Land, das durch die politischen Umbrüche des vergangenen Jahrzehnts wieder in den Mittelpunkt Europas gerückt ist. Zwei zur Ausstellung in Kittsee vorgelegte Begleitpublikationen (Ethnographie ohne Grenzen 1997; Galizien 1998) beschreiben die ethnographischen Erkundungen des Grenzlandes und die fachgeschichtlichen Beziehungen der Volkskundemuseen in Wien und Lemberg und erörtern damit den Hintergrund für die Auswahl der Sammlungen, aus denen Teile in der Ausstellung gezeigt wurden, vor allem Objekte aus der reichen Hausindustrieproduktion der ostkarpatischen Bergbevölkerung, die in ihrer ästhetischen Ausstrahlung die Teilnehmer der frühen ethno­graphischen Expeditionen faszinierte. Auch heute wieder sollten Exponate dieser Sammlungen in der Ausstellung in Kittsee um Verständnis werben für einen respektvollen Umgang mit dem Fremden, für einen vergleichenden, vermittelnden Ansatz in der Betrachtung fremder Kulturen. Was aber sind die Anlässe, sich an den Zeitenwenden immer wieder mit Galizien zu beschäftigen, imaginäre Reisen durch die verschwundene Welt der Bojken und Huzulen, der Chassiden und Ruthenen zu unternehmen (Pollack 1994), fast wehmütige Blicke auf das “Land hinter den Karpaten” (Landmann 1995) zu richten? 37

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