Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Barna Gábor: Valóságos határok - szimbolikus világok
menschlichen Gemeinschaften und des von ihnen bewohnten Gebietes/Raumes besteht. Grenzen markieren die Enteignung und die Determinierung dieses physischen/geographischen Raums, (Thomassen 1996, 44) indem zu beiden Seiten der Landesgrenzen die Symbole (andere Sprache, andere Flagge, anderes Landeswappen, andere Uniform für die Grenzsoldaten und die Zollbeamten) der nationalen Gemeinschaft, von der die gegebene territoriale Einheit dominant beherrscht wird, betont hervorgehoben werden. Der nationalistische Gedanke artikuliert sich vom Zentrum her auseinanderströmend in den Grenzgebieten weitaus deutlicher, denn hier trifft er mit den symbolischen Darstellungen anderer Entitäten aufeinander (Thomassen 1996, 39). Die Namen von Landschaften, Flüssen und Bergen, von Siedlungen und Grenzgebieten sowie Straßen ermöglichen nicht allein eine sichere räumliche Orientierung und Bewegung. Durch sie wird die natürliche Umgebung zu einem menschlichen (humanisierten) Raum. Dadurch, da der in/auf ihm wohnende Mensch ihm einen Namen verleiht, nimmt er ihn in Besitz. Doch der Name markiert nicht allein den Raum, sondern auch die an den Ort gebundenen Ereignisse der Geschichte einer in dem Raum lebenden menschlichen Gemeinschaft durch Denkmäler. Hierdurch formt die Geschichte die vertikale Dimension der Zeit zu einer ständigen Gegenwart der Synchronität. Aus diesem Grunde kommt der Erhaltung von historischen architektonischen Denkmälern, wie Burgminen, Kirchen, alten Gebäuden, aber seltener auch natürlichen Erscheinungen (Felsen, Berge, Bäume, Gewässer usw.) ebenso wie der Erschaffung der über sie erzählten Geschichten und der Errichtung von Gedenktafeln und Statuen eine ganz besondere Bedeutung und Rolle zu. Diese Dinge helfen unser Gedächtnis wach zu halten und die Erinnerungen weiterzugeben. Durch derartige Gedenkstätten wird ein Raum zu einem “sakralen” Raum, zu einem mit der Geschichte der Gemeinschaft verschmolzenen Raum und Heimatland. Die Einwohnerschaft, der es nicht gelingt, den im übrigen neutralen Raum für sich “zu enteignen”, kann sich in der gegebenen Landschaft nie und nimmer heimisch fühlen. Das kann dann psychologisch mit Instabilität einhergehen, wodurch wiederum das Gefühl des Interimzustandes hervorgerufen werden kann. Dieses Gefühl möchte das Individuum auf die verschiedenste Art und Weise in Stabilität umformen, und dies selbst um den Preis des Auswandems oder der Assimilation willen, wenn die Aufrechterhaltung seiner ethnischen/ kulturellen Identität an jenem Ort aus irgendeinem Grunde unmöglich wird. Diese Erwägungen spielten eine Rolle dabei, da die neue rumänische bzw. (tschecho) slowakische Obrigkeit, die 1920 das Banat und Oberungam in Besitz nahm, im Zeichen der rumänischen/(tschecho)slowakischen nationalen Ideologie den Siedlungen, aber auch den Straßen und Institutionen (z.B. den Schulen) andere Namen gab. Einhergehend mit der Herausbildung der neuen Herrschaftsstrukturen bestand die erste Amtshandlung darin, die kraft der Friedensverträge erhaltenen Gebiete auch symbolisch in Besitz zu nehmen. Der erste Schritt dafür bestand darin, die symbolischen Bindungen der Existenz anderer verschwinden zu lassen, d.h. die nicht-rumänischen bzw. nicht-slowakischen historischen Gedenkstätten zu vernichten und auf diese Weise die historischen Erinnerungen zu verändern. Aus diesem Grunde wird im Schulunterricht “rumänische bzw. slowakische Geschichte” vermittelt, aber “ungarische Geschichte” nicht, um die Formung der lokalen Identität innerhalb des Sozialisierungsprozesses zu erschweren. Auf diese Weise wird die emotionale Bindung geschwächt, bzw. in der alteingesessenen/einheimischen Einwohnerschaft wird das Gefühl geweckt, die eigenen Wurzeln zu verlieren. In solch einer Situation kann eine folkloristisch geartete narrative Überlieferung als Quelle der Identitätsschaffung an Gewicht gewinnen. Die Vernichtung stellte aber nur den ersten Schritt dar: die neuen Machthaber errichteten daraufhin die gegenständlichen Denkmäler zu ihrer eigenen Identifikation: sie verliehen den 28