Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Barna Gábor: Valóságos határok - szimbolikus világok

Symbolische und reale parallele Welten Symbolische Inbesitznahme des Raumes und des Gedächtnisses/der Geschichte Worum handelt es sich bei dieser Erscheinung? Warum ist das so? Zwei-drei Namen, zwei­drei Welten, obwohl die räumliche Realität immer die gleiche bleibt? Und warum ist es so, da anderswo die neuen nationalen, politischen und ideologischen Machthaber physische Räume umbenennen und die gegenständlichen Erinnerungsstücke verschwinden oder umbauen lassen? Wem dient das und wofür? Um was für eine Erscheinung handelt es sich hier überhaupt? Unter Zuhilfenahme der sog. Rekonstruktionstheorie lassen sich die Beziehungen zwi­schen Mensch und Umwelt gut interpretieren. Das subjektive Verhältnis des Menschen zum Raum wird als ein vierstufiger Proze der kognitiven kartographischen Erfassung* vorgestellt, im Verlauf dessen der Mensch die registrierten und akzeptierten Umweltinformationen mit subjektiven Inhalten in Verbindung bringt, diese symbolisiert, um dann die subjektive Bedeutung der wahrgenommenen räumlichen Elemente auch auf emotionale Weise aufzuar­beiten, d.h., sie Teil der eigenen Identität werden zu lassen (Cséfalvay 1990, 66-68). Auf diese Art und Weise wird uns unsere Umgebung zum “Zuhause”, zum Heimatland, demgegenüber wir Verantwortung und Bindung verspüren. So entsteht das lokale Identitätsbewusstsein (Cséfalvay 1990, 70). Der “Besitzer” einer Siedlung oder eines Gebietes lässt sich auch vom außenstehenden Betrachter schon allein anhand symbolischer Zeichen feststellen. Aufgrund unseres Beispiels sind Klausenburg oder Preßburg heute Großstädte von Rumänien und der Slowakei; das spiegelt sich wider im Namensgebrauch, in den Gegenständen der geformten Umwelt (Denkmäler, Gedenktafeln, Gebäude usw.) sowie in den überall flatternden rumänischen bzw. slowakischen Nationalflaggen. Doch diese Gebiete gehören auch denen, die es sich mit Hilfe der kognitiven kartographischen Erfassung zu eigen machten, die emotional mit ihm verbun­den sind. Somit wird auch offenbar, dass neben/unter dem rumänischen Klausenburg, dem slowakischen Preßburg, mit diesen mehr oder weniger verknüpft oder aber eben von diesen streng separiert auch ein ungarisches oder deutsches Klausenburg, Preßburg oder andere Siedlungen existieren. Im Banat, wo Mehrsprachigkeit (Rumänisch, Ungarisch, Deutsch, Bulgarisch, Slowakisch, Kroatisch, Rom usw.), in Preßburg, wo Dreisprachigkeit (Slowakisch, Deutsch, Ungarisch) oder in Kaschau, wo Zweisprachigkeit (Slowakisch, Ungarisch) herrschte und herrscht, existieren gleichzeitig und nebeneinander zwei-drei oder sogar mehr “benannte Welten”, ethnisch und kulturell jeweils anders empfundene und erlebte Welten (Hall 1987, 25), sogenannte “ethnoscapes”. Diese Koexistenz bedeutete in der Vergangenheit eine einander ergänzende Welt, eine Art Toleranz. Das dieser Studie voran gestellte Smith-Zitat (Smith 1991, 22-23) bringt das Bestreben von Individuum und Gemeinschaft, sich an einen Raum zu binden, gut zum Ausdruck. Wir benutzen demnach den Raum, um zu sagen, wer wir sind. Vielerorts in der Welt, so auch hier bei uns in Mitteleuropa, steht außer Zweifel, dass eine Beziehung zwischen der Kultur der 8 Die kognitive kartographische Erfassung ist eine Richtung, die sich mit dem räumlichen Verhalten des Menschen und der Subjektivität der räumlichen Wahrnehmung auseinandersetzt. Es gibt sie seit den sechziger Jahren als eigene psychologische Schule der Geographie und steht in enger Beziehung zur Proxemie. Ihre Betrachtungsweise eignet sich besonders dafür, das kulturell objektivierte und symbolisch ausgedrückte Verhältnis von Mensch und Landschaft wahrzunehmen sowie die indi­viduellen und die kollektiven Identitätsformen zu interpretieren. Cf. Downs-Stea 1973.; Hall 1987; Cséfalvay 1990. 27

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