Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Barna Gábor: Valóságos határok - szimbolikus világok

sind heute im Museum der Stadt eingelagert. An der Stelle dieses Denkmals wurde nach 1956 ein rumänisches Soldatendenkmal von monumentalen Ausmaßen im Stil des sozialistischen Realismus errichtet. Auch die Dreifaltigkeitssäule vor der katholischen Kirche wurde abgeris­sen. Der obere Teil dieses Denkmals konnte gerettet und in der Vorhalle der Kirche aufgestellt werden. Zahlreiche Gedenktafeln sind jedoch verschwunden (Puskel 1997, 18, 89, 154-155). Die Munkácsy-Gedenktafeľ wurde — wie die Einheimischen meinen - nur deshalb nicht ent­fernt, weil sie sehr hoch angebracht war. Ich kann einige Beispiele aus der (tschecho)slowakischen Geschichte beibringen. Tschechische Legionäre sprengten das Millenniumsdenkmal von Dévény (errichtet an der damaligen Westgrenze Ungarns fur das 1000jährige Jubiläum der ungarischen Landnahme von 896), zerstörten sämtliche Kossuth-Statuen, Denkmäler der Revolution und Freiheitskrieges von 1848/49 und Denkmäler der Habsburger (Maria Theresia, Königin Elisabeth). In Komom, wo die Mehrheit der Bevölkerung ungarisch ist, wollen die Slowaken das Zeichen der Reziprozität an der Errichtung von Denkmälern: Es muß auch ein Werk errichtet werden, das an die slowakisch/slawische Vergangenheit oder eine Person aus ihr erinnert. Das ist die parallele Weltstruktur. Im konkreten Fall handelt es sich um die Errichtung der Statue von Cyrill und Method. Zu fragen ist nur, warum es zu so großem Widerstand führte und bis heute fuhrt, da die ungarischen Ortschaften in der Slowakei 1996 zur 1100-Jahrfeier der ungarischen Landnahme eine Reihe von Denkmälern errichteten. Offensichtlich deshalb, weil eine zur objektivierten Komponente der ungarischen Vergangenheit und des historischen Gedächtnisses gewordene Erinnerung den symbolischen Anspruch der Slowaken auf das Gebiet als geographischen Raum bzw. hinsichtlich der historischen Vergangenheit der Gegend schwächt. Natürlich ist das Bedürfnis nach einem Denkmal von Seiten der Ungarn dasselbe oder ähnlich: Mit seiner Errichtung und seiner Anwesenheit drücken sie symbolisch ihren ethnischen Herrschaftsanspruch auf ihre Heimat, auf ein Ereignis der ungarischen Vergangenheit aus. Dafür möchte ich nur ein heutiges ukrainisches Beispiel bringen: den Streit um das ungarische Landnahmedenkmal in Verecke, also um das Denkmal, das anläßlich der 1100. Wiederkehr der ungarischen Landnahme errichtet werden soll, anstelle seines an der einstigen Ostgrenze des tausendjährigen Ungarn schon einmal durch das neue Imperium geschleiften Vorgänger. Würde es errichtet, wäre es offensichtlich eine bleibende Erinnerung daran, da man seine Herrschaft über Landschaft und Territorium und die geschichtliche Erinnerung mit jemand anderem teilen mu. Auch im ungarischen historischen Gedächtnis hat Verecke sehr starken symbolischen Gehalt: Es bedeutet die symbolische Inbesitznahme des Karpatenbeckens, die Grenze zwischen Ost und West (Cf. Bama 1998). Die Streitigkeiten um Denkmalerrichtungen tragen noch eine symbolische Botschaft in sich, die einen immer zu aktualisierenden Inhalt hat. Dieser ist das historische Gedächtnis, das die Möglichkeit jederzeitiger Umgestaltung des unterschiedlichen Indentitätbewußtseins andeutet. Es deutet an, da diese jederzeit - wenn auch nicht schnell, einfach und unprob­lematisch - so doch umgestaltet, veränderf werden kann, da also die momentane Lage nicht ewig ist. Andererseits macht es die Träger der politischen Macht darauf aufmerksam, da ihre Macht in diesem Raum durch andere Kräfte eingeschränkt werden kann. Deshalb lät man sich die Selbstverfügung nur in gewissen eingeschränkten Formen verwirklichen, bis zu dem Grad, auf dem sie die eigenen ethnisch geprägten Machtpositionen ihrer Ansicht nach nicht gefährden. 7 Mihály Munkácsy, ungarischer Maler ( 1844-1900). 26

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