Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Liszka József: A szlovákiai magyarok populáris kultúrájának időbeli "határai". A 20. századi impériumváltások kultúralkotó hatásai
Sprache aufzuzeichnen. Neben der mündliche Überlieferung hat er in Sajórecske auch ein ungarischsprachiges, eindeutig in den Jahren der ersten Tschechoslowakischen Republik herausgegebenes, doch wegen Unvollständigkeit nicht genau datierbares Schulbuch gefunden, welches als eine mögliche Quelle für die Jánošík-Tradition im ungarischen Milieu gelten muß: “In dem erwähnten ungarischen Lehrbuch aus der Slowakei findet man längere Geschichten über Jänosiks Leben und seine Taten. Jiräseks Volkssagen-Verarbeitungen sind ins Ungarische übersetzt worden. Das Lehrbuch ist beachtenswert, weil dadurch die Geschichten, einzelne Episoden über den slowakischen Volkshelden unter der ungarischen Bevölkerung bekannt gemacht wurden, und so konnte es zu der Volkstradition beitragen, oder so konnte es die in der Volkstradition schon bekannten Sagen auffrischen ” (Ujváry 1986,38). Dieses Beispiel ist ein guter Beleg dafür, daß sich die verschiedenen Folkloregattungen, neben mehreren anderen Kanälen, auch mit Hilfe von Schulunterricht verbreiteten. Andererseits ist das auch deswegen ein wichtiger Beitrag, weil mit einer Wirkung solcher Lehrbücher auf die mündliche ungarische Überlieferung gerechnet werden muß, die unter einer anderen Staatshoheit gedruckt und gebraucht worden sind (vgl. Schenk 1973). Die Tatsache, daß die ungarischen Jugendlichen nach 1920 Soldaten der tschechoslowakischen Armee wurden, kommt vielleicht in den ungarischen Volksliedern am anschaulichsten zum Ausdruck. Im wesentlichen geht es dabei jedoch nur um formale Veränderungen, da lediglich die Texte der schon früher, während der Monarchie und des Ersten Weltkrieges, entstandenen Volkslieder neuen Stils den veränderten Umständen angepaßt worden sind (Orte, wo sich Kasernen befanden, wurden vertauscht, bzw. aus “Franz-Joseph“ wurde Masaryk). 1938- 1945 Infolge der Grenzveränderungen im Jahre 1938 erschien eine Menge von “mutterländischen” Volkskundlern auf den rückgegliederten Gebieten, um die Volkskultur der bisher vernachlässigten ungarischen Landschaften in der Slowakei zu sammeln, in erster Linie jedoch deren Archaismen. Meines Erachtens wurde nicht (oder nur in außerordentlich seltenen Fällen) darauf geachtet, ob die Art dieser Volkskultur überhaupt mit der Staatshoheit etwas zu tun hatte, und wenn ja, welche Wirkung diese, zwei Jahrzehnte währende tschechoslowakische Staatshoheit gehabt hatte. Es gibt dementsprechend keine Kenntnisse (höchstens Ahnungen) darüber, inwieweit sich das Alltagsleben der nach Ungarn zurückgegliederten Bevölkerung verändert hat. Infolge der tschechoslowakischen Bodenreform in den 20er Jahren verließen die in dieser Gegend angesiedelten tschechischen und mährischen Kolonisten ihre bisher aufgebauten Siedlungen freiwillig, andere wiederum (vorwiegend die Slowaken, die einfach nicht wußten, wohin sie gehen sollten, denn sie hatten früher ihr ganzes Hab und Gut verkauft) bemühten sich, auch im Rahmen der neuen Staatsmacht ihren Platz zu behaupten. Trotzdem verließen bereits viele von ihnen 1939 ihr neues Zuhause. Die herrenlos gewordenen Besitzungen sollten theoretisch die darauf eingewiesenen ungarischen Bauern bekommen. Prinzipiell ist dieser Grundsatz auch zur Geltung gekommen. Kinderreiche Familien bekamen Boden, ferner die “Helden” (sg. “vitézek”) und die Kriegswaisen. Die hiesige Revision der tschechoslowakischen Bodenreform war nicht frei von Widersprüchen: die örtliche arme Bauernschaft beanspruchte den verbliebenen Besitz und teilweise auch den Siedlerbesitz als 154