Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Liszka József: A szlovákiai magyarok populáris kultúrájának időbeli "határai". A 20. századi impériumváltások kultúralkotó hatásai

bekannt. Infolge der tschechoslowakischen Bodenreform entstanden 94 Kolonien, davon 64 auf Gebieten mit ungarischer Mehrheit; von den insgesamt 2271 Ansiedlern kamen 1746, also etwa 77%, auf die von Ungarn bewohnten Gebiete. Ziel der Kolonisation war, den homogenen ungarischen ethnischen Komplex aufzuspalten, in erster Linie im nördlichen Teil der Kleinen Tiefebene (die in der slowakischen Literatur heutzutage als Podunajská nížina, also Donauebene bezeichnet wird). Um dies zu erreichen, wurde den tschechischen und mährischen, weiter den vom Norden kommenden, dann aus Jugoslawien “zurückgekehrten” slowakischen Ansiedlern die Möglichkeit gegeben, zu außerordentlich vorteilhaften Zinsen Teile des enteigneten Bodens zu erwerben und eigene Häuser zu bauen. So entstanden selb­ständige Kolonistendörfer (Hodžovo, Hurbanová Ves, Hviezdoslavovo, Okánikovo, Šrobárová*** usw.), außerdem “Kolonien” an schon existierenden ungarischen Dörfern als Anbausiedlungen (wie Bátorkeszi, Bény, Köbölkút, Nagylég, Nagytárkány, Szene, Szentmihályfa usw.). In diesen Siedlungsdörfem haben die Kolonisten ihre eigenen Wohnhäuser gebaut, die grundsätzlich tschechische und slowakische Architekturtraditionen weiterführten. Die neu angekommenen Siedler waren aber nicht fähig, den wirtschaftlichen Kampf mit den zurückgebliebenen Großgrundbesitzen zu gewinnen, und so scheiterten viele von ihnen. Es ist auch nicht völlig gelungen, den homogenen ungarischen ethnischen Block aufzulösen, diese winzigen Inseln innerhalb der ungarischen Mehrheit waren vielmehr eher gezwungen, sich anzupassen, als zu diktieren und die Assimilation der Ungarn zu erzwingen. Die Not hatte übrigens sehr schnell einen “modus vivendi” des relativ guten und span­nungslosen Zusammenlebens zwischen den Urbewohnern und den neu hierher gekommenen Siedlern herausgebildet. Vielerorts besuchten sie dieselben Kirchen, sie benutzten dieselben Friedhöfe, wenn es auch einige Siedlungen gab, deren Kolonisten ihre eigenen Friedhöfe gründeten (wie z.B. Bátorkeszi, Köbölkút). Durch die Bodenreform und durch die darauffol­gende Aufteilung der Latifundien kam es in diesem Raum trotzdem zu einem Rückfall in das Stadium des Hirtenlebens und der extensiven Viehzucht. Nach 1920 wurden die jungen ungarischen Soldaten zur tschechoslowakischen Armee einberufen; dies hatte Veränderungen sogar für die traditionelle Ernährung, wenngleich auch die Rolle von Restaurants und Händlern dabei bedacht sein will. Hefekochteig erscheint in der Volksemährung der Ungarn praktisch erst nach 1918 (in der Umgebung von Preßburg manchenorts vielleicht auch früher). Die Verbreitung des Blumenkohls bzw. seine Verarbeitung als panierter Blumenkohl stammt von den gedienten Männern, die von tschechischen Kasernen zurückkehrten; diese Speise verbreitete sich defmitv erst in den 60er/70er Jahren. Die Verbreitung verschiedener Folkloregenres kann durch unzählige äußere Faktoren gefordert werden. An dieser Stelle möchte ich nur ein Beispiel nennen, wie sich die Rolle des Unterrichts durch den Herrschaftswandel geändert hat. Im Jahre 1961 veröffentlichte Zoltán Ujváry aus dem Dorf Hét (Gömör-Gebiet in Ungarn) eine in ungarischer Sprache erzählte Geschichte über den slowakischen Völkshelden Jánošík. Es ist ein schönes Beispiel für die kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Völkern (Slowaken und Ungarn), was auch in der mündlichen Überlieferung zum Ausdmck kommt (Ujváry 1961; Ujváry 1962). Die Folkloreforschungen auch im slowakischen Teil des Gömör-Gebietes fortsetzend gelang es Ujváry, in dem darauffolgenden Jahrzehnt weitere Jánošík-Geschichten in ungarischer *** Diese Siedlungen haben weder deutsche noch ungarische historische Benennungen. 153

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