Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)
1. Tanulmányok - Kovačevičová, Sona: A határ mint kultúrtörténeti probléma
Jahrhundert Jahr fur Jahr. Der Handel und der Zustrom von Arbeitskräften aus dem Hinterland - vielleicht auch der gute Wein - bildeten den Nährboden fur ethnische Toleranz und Duldsamkeit in Glaubensangelegenheiten. Das behagliche Leben im slowakischungarischen Grenzgebiet, in den Dörfern, Städtchen, Kurien und Pfarren wurde ein dankbares Thema für den in Komom geborenen, ungarischen Romanschriftsteller Mór Jókai. Sein in der ungarischen und slowakischen Bevölkerung beliebtes Werk - ähnlich wie 100 Jahre später das von dem slowakischen Schriftsteller Ladislav Ballek - bringt dem Leser das Leben und die Kultur des Südens, die auch heute im Schatten des nordslowakischen Geschehens steht, nahe. Eine ganz andere Bedeutung für die Kultur der Slowakei hat Gran/Esztergom, und zwar nicht als Stadt, sondern als Sitz der Diözese und des Erzbischofs, unter dessen Verwaltung das Gebiet der heutigen Slowakei gehörte. Die Bedeutung der Diözese für die Slowakei ist negativ und positiv. Negativ in dem Sinne, daß sie über die Besetzung der katholischen Schulen und Pfarren entschied. Zur Zeit der Magyarisierung war sie ein wichtiges Instrument zur Magyarisierung der slowakischen Dörfen. Ein Positivum spielten die örtlichen Schulen, die ein Teil der slowakischen Persönlichkeiten wie etwa A. Kmeť, P. Blaho, P. Príhoda, R. Osvald u.a. absolvieren. Das zweite Positivum besteht darin, daß die Kirchenkunstdenkmäler, ausgestellt auf der Millenniumausstellung in Budapest, im hiesigen Diözesanmuseum erhalten geblieben sind. In den religionsfeindlichen 50er und 60er Jahren war das ein großer Vorteil, weil die Bezirksfunktionäre in der Slowakei der kirchlichen Kunst gegenüber negativ eingestellt waren, und ein Teil der in Gran/ Esztergom untergebrachten Stücke wohl gestohlen oder beschädigt worden wäre. Zu den Entwicklungsparadoxa gehört auch die Tatsache, daß das ungarische Militärkommando während des Ersten und Zweiten Weltkrieges den slowakischen und ungarischen Soldaten aus dem von uns untersuchten Grenzgebiet nicht traute. Daher stellte es die Militäreinheiten, die von hier stammten, an die gefährlichsten Frontabschnitte. So geschah es, daß es gerade in den Dörfern dieses Landstrichs viele Tote und Vermißte gab. Forschungen aus den Jahren 1946-47 ergaben, daß hier Familien lebten, in denen bis zu drei Generationen der Männer fehlten, und Frauen die ganze Last der Wirtschaft auf sich nehmen mußten. Die älteren unter uns erinnern sich an die heruntergekommenen Trecks ungarischer Soldaten, die 1944 und 1945 von der Ostfront durch die Nordslowakei zogen. Sie waren so elend dran, daß die einheimische Bevölkerung ihnen Essen gab. Die Soldaten ihrerseits baten um Zivilkleidung, um unbemerkt nach Hause zu kommen. Ein weiteres Paradox der Zeit bestand darin, daß das deutsche Kommando diese armen Kerle an die Vorgebirgsfrontlinie stellte. Und diese, die sich auf slowakisch und ungarisch mit der hiesigen Bevölkerung verständigen konnten, ließen Partisanen, Widerstandskämpfer und Zivilisten über die Frontlinie nach Osten durch. Diejenigen, die nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg im Laufe der Jahre zurückkehrten, erlebten eine weitere herbe Enttäuschung. Die Großmächte hatten nach 1918 die Grenze zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn durch geographische Grenzen begradigt. Damit teilten sie die Komitate Komom und Gran über zwei Staatsgebilde auf, was eine unterschiedliche politische und geistige Entwicklung zur Folge hatte. Es läßt sich nicht abstreiten, daß nach 1918 in der Tschechoslowakei auch auf diesem Territorium die schulische, medizinische und soziale Fürsorge wuchs. Unrecht verursachte jedoch die Bodenreform, die den individuellen Bodenbesitz auf 200 ha festlegte. Der Großgrundbesitz der ungarischen Aristokratie wurde parzelliert. Die neuen Herren wurden die tschechische und die 147